Candida auris – wie gefährlich ist dieser neue Pilz wirklich?

Vielleicht haben Sie auch schon von dem Hefepilz Candida auris gehört, den manche Berichterstatter großspurig als „Killerpilz“ bezeichnen, der „blitzschnell den Tod bringen” kann? Wir haben recherchiert, was an solchen Meldungen dran ist und möchten Ihnen mit diesem Beitrag erklären, mit was wir es zu tun haben, woher der Pilz kommt und unter welchen Umständen er tatsächlich gefährlich werden kann.

Was ist Candida auris eigentlich?

Candida auris gehört zur Gattung der Hefepilze. Seinen Namen “auris” verdankt diese Hefepilzart dem lateinischen Wort für “Ohr”, wo der Pilz erstmals überhaupt 2009 in Japan nachgewiesen wurde. Durch die weltweite hohe Mobilität der Menschen konnte sich der Pilz schnell verbreiten und führte weltweit zu weiteren Ansteckungen. Woher der Pilz ursprünglich stammt und warum er jetzt auch Menschen infizieren kann, ist unbekannt.

Bei den bekannten Patienten handelt es sich allerdings ausnahmslos um Personen mit schweren Grunderkrankungen, die also bereits eine sehr schwache Immunabwehr hatten. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC seien 40-60 % der Menschen mit Candida auris-Infektion gestorben – doch aufgrund der schweren Grunderkrankungen lässt sich nicht sagen, ob der Pilz die Todesursache war. 2015/2016 kam es in einem Londoner Krankenhaus zu einem größeren Ausbruch, bei dem sich 50 Personen ansteckten. Gestorben ist dabei aber niemand.

Verschiedene Pilze in Petrischalen

Wie viele Fälle gibt es in Deutschland?

In Deutschland ist Candida auris erstmals 2015 in Erscheinung getreten. Die Pilzinfektion ist so neu, dass es bis dato noch nicht einmal eine deutsche Wikipedia zu Candida auris gibt. Die Infektion kann zu Blutvergiftung, Harnwegs- und Wundinfektionen führen. Rund drei Viertel der entnommenen Pilzproben hatten zudem eine Resistenz gegen übliche Arzneimittel gezeigt.

Eine Panikmache über den “sich rasend schnell ausbreitenden” Pilz ist aber völlig verfehlt, denn in ganz Deutschland beläuft sich die Gesamtzahl der betroffenen Patienten bis Ende Januar 2018 auf sieben Fälle, wobei fünf davon aus dem vergangenen Jahr stammen. Allerdings ist es möglich, dass die Dunkelziffer der Infizierten höher ist, da der Pilz eventuell nicht immer erkannt wird. Es handelte sich dabei immer um Einzelfälle in unterschiedlichen Krankenhäusern.

Was ist dran an den Meldungen zum “gefährlichen Pilz”?

Gefährlich könnte der Virus Menschen werden, deren Immunsystem geschwächt ist und die länger stationär im Krankenhaus untergebracht sind. Doch sorgen müssen Sie sich auch dann nicht, denn das Risiko einer Ansteckung ist bislang sehr, sehr gering. Der Pilz verbreitet sich offenbar per Schmierinfektion, also nicht wie etwa Erkältungsviren über die Luft. Deswegen kann man mit einfachen Hygienemaßnahmen im Krankenhaus schon viel erreichen. Handhygiene sollte sowieso selbstverständlich sein, und normale Desininfektionsmittel töten den Pilz ab. Für gesunde Menschen mit intaktem Immunsystem stellt Candida auris sowieso keine Gefahr dar.

Wie so oft steckt hinter den Meldungen zum “Killerpilz” mal wieder vor allem bewusste Panikmache, um die Meldung interessanter zu verpacken. Ein Grund zur Sorge besteht für einzelne Menschen dagegen nicht. Gesundheitsbehörden sollten jedoch eng zusammenarbeiten und Verfahren zum Nachweis des Pilzes sowie wirksame Gegenmittel entwickeln, um einzelnen Ausbrüchen in Krankenhäusern wirksam begegnen zu können.


von Debora Pape. 19.02.2018