Scheidenpilz-Hausmittel

Scheidenpilz-Hausmittel: pflanzlich, natürlich – und nicht wirksam

Scheidenpilz ist eine häufige, doch gut zu behandelnde Erkrankung. Schuld an dem Brennen, Jucken und den Rötungen im Intimbereich ist meist der Hefepilz Candida albicans. Doch so lästig die Symptome auch sind: Solange keine Schwangerschaft besteht oder Sie bereits häufiger als vier Mal im Jahr daran erkrankt sind und die Krankheitszeichen eindeutig sind, ist der Gang zum Arzt nicht zwingend notwendig. In der Apotheke gibt es frei verkäufliche Mittel gegen Scheidenpilz wie z.B. Cremes und Tabletten, die den Vaginalpilz schnell und wirksam bekämpfen.

Trotzdem versuchen viele Frauen, dem Scheidenpilz mit Hausmitteln der verschiedensten Art zu Leibe zu rücken. Die Wirksamkeit dieser alternativen Methoden ist jedoch in vielen Fällen nicht belegt – und manchmal verschlimmern sie das Problem sogar.

Teebaumöl als Hausmittel gegen Scheidenpilz

Teebaumöl ist ein ätherisches Öl, das aus den Blättern und Zweigen des Australischen Teebaums gewonnen wird. Es hat eine stark antimikrobielle Wirkung und tötet Bakterien und Pilze ab. Diese Eigenschaft ist auch der Grund, warum Teebaumöl als Hausmittel gegen Scheidenpilz eingesetzt wird: Verdünnt und mithilfe eines eingeweichten Tampons in die Scheide eingeführt, soll es die Infektion lindern. Auch Sitzbäder und Umschläge mit dem Naturöl werden empfohlen. Was viele Patientinnen jedoch nicht wissen: Nur weil Teebaumöl ein rein pflanzliches Arzneimittel ist, ist es nicht zwangsläufig harmlos. Das Gegenteil ist der Fall: Unverdünnt wird Teebaumöl offiziell als gesundheitsschädliche Substanz eingestuft und kann Allergien und Ekzeme hervorrufen. Bei falscher Dosierung reizt das Öl die empfindlichen Schleimhäute der Scheide und verschlimmert die Symptome der Scheidenpilzinfektion.

Mit Essigspülungen gegen Scheidenpilz

In der Scheide herrscht ein saures Milieu, das heißt, der pH-Wert liegt unter 4,5. Pilze und Bakterien können unter diesen Bedingungen normalerweise nicht gedeihen. Wenn sich doch ein Hefepilz an der Schleimhaut der Vagina ausbreiten kann, kann das ein Zeichen dafür sein, dass die natürliche Scheidenflora gestört ist. Hier setzt die Theorie an, die Essigspülungen bei Scheidenpilz als Hausmittel populär gemacht hat: Da Essig bekanntermaßen ebenfalls sauer ist, soll er den pH-Wert in der Scheide ins Gleichgewicht bringen und das natürliche Milieu wiederherstellen.
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Wissenschaftliche Belege dafür, dass Essig tatsächlich einen nachhaltigen, positiven Einfluss auf das Scheidenmilieu hat, gibt es jedoch nicht. Sicher ist allerdings, dass die aggressive Flüssigkeit die Schleimhäute reizt. Also gilt für dieses Scheidenpilz-Hausmittel: Finger weg!

Joghurt: Ersatz-Milchsäurebakterien für die Scheide

Die gesunde Scheidenflora, „Döderleinflora“ genannt, entsteht durch Bakterien, die aus Zucker Milchsäure bilden. Da auch probiotischer Joghurt diese Laktobazillen enthält, ist er – eingeführt mithilfe eines getränkten Tampons – zu einem der beliebtesten Scheidenpilz-Hausmittel avanciert. Tatsächlich meldeten einige Labore positive Versuchsergebnisse. Als besonders wirksam gelten Stämme von Milchsäurebakterien, die Wasserstoffperoxid produzieren, da dieser Stoff die Pilze abtötet. In der Praxis ist das Einführen eines Joghurt-Tampons jedoch kritisch zu sehen. Oft sind auch in angeblich naturbelassenen Produkten Zusatz- und Konservierungsstoffe enthalten. Und auch, welche anderen Bakterienkulturen der Joghurt aus dem Supermarkt noch beherbergt, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Unter Umständen bringt die Patientin weitere Erreger in die Scheide ein, die die Erkrankung verschlimmern.

Knoblauch: gesund – aber nur auf dem Teller

Knoblauch ist ein weiteres Lebensmittel, das gerne gegen Scheidenpilz eingesetzt wird. Doch während die leckere Knolle in Laborversuchen eine leicht fungizide Wirkung zeigte, konnte sie im Praxistest keine messbare Verbesserung einer Candida-Infektion bewirken – weder bei lokaler noch bei oraler Anwendung. Stattdessen wurde beobachtet, dass Knoblauch die nützlichen Milchsäurebakterien hemmte – ein K.-o.-Kriterium für dieses Scheidenpilz-Hausmittel.

Sitzbäder mit Kamille lindern den Juckreiz

Kamillenblüten gehören wohl zu den ältesten und bekanntesten Naturheilmitteln überhaupt. Sie haben eine entzündungshemmende Wirkung und lindern – in Sitzbädern angewendet – das Brennen und Jucken im Intimbereich. Der Ursache für die Symptome, also dem Scheidenpilz selber, können sie jedoch nichts anhaben. Sinnvoll sind Sitzbäder mit Kamille daher nur als begleitende Maßnahme neben einer medikamentösen Therapie. Patientinnen, die nur die Symptome unterdrücken, laufen Gefahr, die Infektion zu verschleppen.

Anti-Zucker-Diät: Den Scheidenpilz aushungern

Zucker ist für Candida albicans der perfekte Nährboden. In den 80er-Jahren kam deshalb die Idee auf, den Scheidenpilz auszuhungern: Betroffene Frauen sollten Zucker und ballaststoffarme Kohlenhydrate weitgehend von der Speisekarte streichen. Grundlegend für diese Theorie war die Annahme, dass die Hefepilze aus dem Darm der Patientinnen stammen und von dort aus in die Vagina gelangen.

Die Anti-Zucker-Diät entpuppte sich jedoch in den meisten Fällen als Eingriff in die Lebensqualität der Frauen, ohne die entsprechende Wirkung zu erzielen. Deshalb gilt sie heute als überholt, kann jedoch in moderater Form als grundsätzliche Nahrungsumstellung hilfreich sein, wenn die Patientin häufiger an Scheidenpilz erkrankt. Neuere Therapien stellen stattdessen die Unterstützung der Immunabwehr des Körpers in den Vordergrund. Schließlich ist auffällig, dass sehr viele Frauen leichte Besiedlungen von Candida albicans in Darm und Scheide haben, ohne jedoch an einem Vaginalpilz zu erkranken.

Nachweislich wirksam ist nur die Behandlung mit antimykotischen Medikamenten.

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