Dermatophyten

Hände berühren FußsohleDefinition: Dermatophyten

Hautpilz ist eine häufige Erkrankung des menschlichen Körpers, und ihm haftet der Makel des „Ekeligen“ und „Unreinen“ an. Dabei sind von der häufigsten Dermatomykose, dem Fußpilz, medizinisch auch Tinea pedis genannt, zeitweise 75 Prozent der Bevölkerung betroffen. Bis zu zwölf Prozent haben einen dauerhaften Nagelpilz.

Überall dort, wo es feucht, warm und dunkel ist, siedeln sich die Dermatophyten, also hautaffine Pilzarten, an und machen sich breit. Lange Zeit merkt man wenig von einer Dematophyten-Infektion, vorübergehendes Jucken wird meist anderen Umständen zugeschrieben, und mit Hautpilz fühlt man sich ja auch nicht krank. Doch Hautpilz kann auch schwerere Entzündungsreaktionen der Haut hervorrufen und jede Dermatomykose kann eine Eintrittspforte für bakterielle Infektionen wie das Erysipel darstellen.

Ein wenig Hintergrundwissen über das Wesen der Dermatophyten und über Sinn und Zweck einer Hautpilztherapie auch in früheren Infektionsstadien schadet also nicht. Im Folgenden können Sie sich ein eigenes Bild machen von den verschiedenen Hautpilzen, die der Hautarzt Dermatophyten nennt.

Für dem Arztbesuch – ein wenig Terminologie vorweg

Begriffserklärungen helfen Ihnen vielleicht, die Fachtexte im Internet und auch Ihren Dermatologen am Ende besser zu verstehen. Als Dermatophyten werden also verschiedene Arten von Fadenpilzen bezeichnet, die im Allgemeinen nur Infektionen der Haut hervorrufen. Diese Hautinfektionen werden dann, der Einfachheit halber, Dermatophytosen (oder allgemeiner: Dermatomykosen) genannt. Der Wortteil „Dermato-“ deutet auf „Dermis“, die Haut, hin, so wie es auch in der Fachbezeichnung für Hautärzte (Dermatologen), vorkommt. Die Nachsilbe „-phyte“ kann in der Wissenschaft auch für Pflanzen stehen, wird in der Mikrobiologie aber meist für Dermatophyten-Arten verwendet.

Eine „Mykose“ ist derweil immer eine parasitäre Pilzinfektion von lebendem Gewebe. Die „Onychomykose“ beispielsweise ist der medizinische Fachbegriff für den Nagelpilz. Ein weiterer Begriff taucht im Zusammenhang der Hautpilze immer wieder auf: Die „Tinea“, welche für Infektionen bestimmter Hautregionen steht. So gibt es die Tinea pedis (den Fußpilz), die Tinea capitis (im Kopfbereich), die Tinea inguinalis (in der Leistenbeuge), die Tinea barbae (Mykose im Bartbereich) und die Tinea corporis (für den Rest des Körpers).

Was sind Dermatophyten?

Genug der allgemeinen Begriffsaufklärung, ran an die Thematik: Dermatophyten sind Fadenpilze, die Keratin verwerten und daher fast ausschließlich verhornte Körperstellen wie Haut, Nägel oder Haare befallen. Die oberste Hautschicht besteht beim Menschen aus abgestorbenem, verhorntem Material. Der Schutz- und Barrierefunktion der Haut kommt dies meist zugute, da Krankheitserreger diese Hornschicht normalerweise nicht durchdringen können.

Gleichzeitig wird dieses Abwehrsystem aber dann zum Nachteil, wenn die fraglichen Erreger – wie im Falle der Dermatophyten – die oberste Hautschicht gar nicht durchdringen wollen. Hier können sich die Dermatophyten nämlich bequem einnisten und vermehren und dringen nur sehr selten in tiefere Schichten der Dermis oder Subkutis vor. Die nötige Energie für ihr Wachstum gewinnen die Dermatophyten mithilfe des Enzyms Keratinase aus dem Abbau von Kohlenhydraten und Keratin.

Haben die Dermatophyten einmal keine Haut zum Infizieren, so erweisen sie sich als ungemein geduldig: In ihrer Dauerform, den Sporen, können sie sehr lange überleben und sind resistent gegenüber Austrocknung. Solange, bis der nächste größere Organismus vorbeiläuft.

Einteilungen von Dermatophyten, vor allem nach der Herkunft der Infektion

Die Mikrobiologie unterscheidet drei relevante Gattungen von Dermatopyhten: Trichophyton, Microsporum und Epidermophyton. Eine weitere Einteilung in geophile, zoophile und anthropophile Dermatophyten berücksichtigt unter anderem das Habitat, das Erregerreservoir und die verschiedenen Infektionsketten.

Geophile Dermatophyten leben in der Erde. Zur Kontamination kommt es zum Beispiel bei Gartenarbeit, was jedoch nicht unweigerlich zur Infektion führt. Erst lokale prädestinierende Faktoren wie z.B. Durchblutungsstörungen („kalte Füße“), mechanische Belastung durch zu enges Schuhwerk oder Feuchtigkeit (Schwitzen) erleichtern dem allgegenwärtigen Erreger das Angehen einer Infektion.

Zoophile Dermatophyten leben vor allem auf dem Fell von Tieren und werden bei Kontakt mit diesen übertragen (Kind schmust mit Meerschweinchen u.a.). Ein Beispiel in ländlichen Regionen ist Trichophyton verrucosum, der die „Rinderflechte“ bei Tieren verursacht, aber unter guten Bedingungen auch auf den Menschen übertragen werden kann. Zoophile Dermatophyten rufen beim Menschen durchaus auch schwerere Entzündungen hervor.

Antropophile Dermatophyten sind an den Menschen angepasst und können dementsprechend auch von Mensch zu Mensch, direkt oder über tote Gegenstände, übertragen werden. Sie zeichnen sich im Allgemeinen durch eine hohe Infektiosität bei gleichzeitig aber eher geringen Infektionsfolgen aus. Die beiden „Hauptverdächtigen“ aus diesem Bereich sind Trichophyton rubrum (befällt vor allem die Haut) und Trichophyton mentagrophytes (befällt vor allem Haare), auf welche bis zu 90 Prozent aller Hautpilzinfektionen überhaupt entfallen.

Risikofaktoren und Infektionswege bei Dermatophyten

Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, dann fühlen sich Dermatophyten überall dort wohl, wo es feucht, warm und dunkel ist. Aus diesem Grunde befallen die Dermatophyten auch so gern die Füße, insbesondere die Zehenzwischenräume und Hautfalten, also unter der weiblichen Brust, in der Achselhöhle, oder in der Leiste. Der „Athletenfuß“ ist eine sehr häufige Erkrankung, da Sportler ihre Füße häufig in engem und schweißgebadetem Schuhwerk bewegen, wo die Dermatophyten optimale Wachstumsbedingungen vorfinden.

Gleichzeitig prädestiniert auch der Infektionsweg den Sportler, der sich nach der Ertüchtigung in Gemeinschaftsduschen aufhält: Entweder direkt von Haut zu Haut oder auch über den Boden von Turnhallen, Duschen, Saunen und anderen mehr oder weniger sanitären Einrichtungen gelangen die Parasiten von einem Menschen zum nächsten. Und noch einmal trifft es die Sportler: Der Fadenpilz Trichophyton tonsurans ist hierzulande wohl aus den USA eingewandert und wird oft insbesondere bei Turnern und Ringern gefunden – man nennt ihn auch den „Sportmattenpilz“.

Ansonsten gibt es prädestinierende Faktoren für jegliche Hautpilzinfektion, die vor allem die Jüngsten und die Ältesten unter uns betreffen: Personen mit Diabetes mellitus, also Zuckerkranke, sind beispielsweise generell in ihrer Abwehr gefährdet und dadurch auch anfällig für Hautpilzinfektionen. Auch die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), auch als „Schaufensterkrankheit“ bekannt, macht es den Dermatophyten mit Durchblutungsstörungen in Händen und Füßen das Besiedeln eben jener sehr einfach.

Immer häufiger wird Microsporum canis übertragen: Erregerreservoir sind hier vor allem Katzen, menschlicherseits trifft es meist kleine Kinder, bei denen der Pilz die noch nicht hundertprozentig auf der Höhe befindliche Immunabwehr der Kleinen ausnutzt und bevorzugt die Haare befällt (Tinea capitis).

Wie das Ganze dann aussieht – die „Klinik“

Von der „Klinik“ spricht der Mediziner, wenn er das Erscheinungsbild einer Erkrankung meint. Im Falle des Hautpilz ist dies eine rein äußerliche Betrachtung. Dermatophyten breiten sich nach dem Eindringen in der Epidermis oft zentrifugal aus, gelegentlich sieht man auf der Haut regelrechte Wachstumsringe. Trichophyton rubrum, Hauptschuldiger bei etwa 60 bis 80 Prozent aller Hautpilzinfektionen, ruft meist nur eine geringe Entzündung mit Rötung und dezentem Juckreiz hervor, im Zentrum heilt die Mykose wieder ab. Diese häufigste Form der Hautpilzinfektion wird als Tinea superficialis bezeichnet. Der Hautarzt beschreibt auf der Haut „typische randbetonte erythemato-squamöse Herde“. Sie können stark entzündlich in Schüben juckend verlaufen, oder eher chronisch, langsam wandernd, mit stärkerer Schuppung der Haut.

Zoophile Dermatophyten rufen derweil eher intensivere Entzündungen hervor, dringen dabei häufig entlang von Haarfollikeln in die Tiefe und führen zu gröberen Pusteln auf der Haut (Tinea profunda). Diese Infektionen betreffen daher vor allem den Bartbereich (Tinea barbae) und den Kopf (Tinea capitis). Bei schlechter Immunabwehr können auch derb-geschwollene Granulome auftreten; dies ist aber insgesamt eher selten.

Beim Fußpilz treten derweil vor allem gerötete Stellen in den Zehenzwischenräumen auf, die von Zeit zu Zeit juckende Bläschen machen und durch starkes Kratzen eher schlechter werden. Auf Dauer führt dies zur Mazeration, also zum Auseinanderreißen der Hautschichten, was spätestens dann recht unangenehm wird.

Bei genetischer Disposition, Immundefekten, peripheren Durchblutungsstörungen, dauerhafter Traumatisierung der Zehen in zu engem Schuhwerk und beim Sport sowie anderen Krankheiten des Nagelwachstums werden dann in der Folge auch die Nägel der Zehen (seltener der Finger) befallen. Es kommt zu Verhornungsstörungen, der Nagel wird dick, derb, gelb und bröckelig.

Was tun mit einem Hautpilz?

Für die meisten Menschen wird vor allem der Nagelpilz im Sommer zu einem kosmetischen Problem, darüber hinaus gibt es aber auch gute medizinische Gründe, ihn behandeln zu lassen. So schafft die chronische Zerstörung der Haut zwischen den Zehen oder der Nagelplatte auf Dauer eine Eintrittspforte für bakterielle Erreger wie etwa die Streptokokken, die sich unter der Haut vom Zeh in Richtung Bein vorarbeiten können und eine großflächige, schmerz- und fieberhafte Inflammation, das Erysipel, hervorrufen können.

Der Gang zum Hautarzt lohnt sich also für jeden Betroffenen. Zunächst einmal wird dieser sich das betroffene Hautareal anschauen und eventuell einige Haut- oder Nagelschuppen als Probe entnehmen (meist reicht aber für den Anfang die Blickdiagnose). Danach sollte eine Therapie mit einem Standardmedikament erfolgen, welches zunächst eigentlich immer von außen aufgetragen wird.

Mittel gegen Dermatophyten

Die meisten Dermatophyten sind nämlich einer antimykotischen Therapie mit entsprechenden Medikamenten gut zugänglich. In der Medizin spricht man von einer „topischen“ Therapie, wenn diese vor Ort erfolgt (im Gegensatz zur „systemischen“). Einzelne oberflächliche Herde werden mit Lösungen oder Cremes bestrichen. Man kann dazu Wirkstoffe nehmen, die nur auf Dermatophyten wirken (z.B. Tolnaftat), besser aber Breitspektrumantimykotika, mit denen man auch andere Pilzarten wie z.B. Candida, die auch einmal hinter einer Hautinfektion stecken könnten, erwischt. Beispiele für Wirkstoffe sind Ciclopirox, Clotrimazol, Ketoconazol oder andere aus der Gruppe der Azole.

Vor allem das Ciclopirox steht auch als Nagellack zur Verfügung. Besonderheit der Therapie hier ist, dass der Nagel sehr langsam wächst: Zehennägel benötigen etwa sechs Monate, um einmal komplett von der Nagelfalz nach außen durchzuwachsen. Da das Antimykotikum den Pilz vor allem an seinem Wachstum hindert, aufgrund der schwer durchdringbaren Nagelplatte aber niemals komplett abzutöten vermag, muss die Therapie also tatsächlich auch für etwa ein halbes Jahr durchgehalten werden, währenddessen der Nagellack regelmäßig immer wieder aufgetragen wird, um eine dauerhafte Einwirkung auf den Schädling zu garantieren.

Ein totaler Befall des Nagels ist dennoch schwer zu behandeln. Scheitert die langfristige konsequente lokale Applikation, so muss auf eine systemische Therapie, also per os (mit Tabletten), umgestellt werden. Dies geschieht zum Beispiel mit Terbinafin, ein Medikament, welches auf Dauer leberschädlich sein kann und daher per Blutentnahme nach einigen Wochen überwacht werden muss. Auch die Tinea capitis beim Kind muss über mindestens vier Wochen mit systemischen Medikamenten behandelt werden.

Infektionen mit Dermatophyten können also eine langwierige Geschichte werden und das vorläufige Scheitern einer lokalen Therapie sollte, um allzugroße Frustration zu vermeiden, von Beginn an mit einkalkuliert werden. Zudem kehren gerade Fußpilzinfektionen häufig nach kurzer Zeit wieder, wenn entsprechende hygienische Maßnahmen nicht konsequent eingehalten werden. Die meisten Dermatophyten lassen sich jedoch mit herkömmlichen Desinfektionsmitteln abtöten, sodass sich deren Benutzung in der öffentlichen Badeanstalt oder nach dem Sport durchaus lohnt.

Ganz verhindern können wird man Hautpilzerkrankungen aber wohl nie, da sie einfach überall in Natur und Zivilisation vorkommen. Dem Auftreten von Beschwerden und Komplikationen aller Art sollte mit einer konsequenten Therapie aber der Riegel rechtzeitig vorgeschoben werden.

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