Windeldermatitis

Windel Baby 1-4Definition: Windeldermatitis

Bei einer Windeldermatitis handelt es sich um eine Entzündung der Haut, die sich durch Wundsein im Windelbereich äußert. Sie betrifft deshalb vor allem Babys und Kleinkinder, die noch Windeln tragen. Aus einer leichten Hautreizung können oft schnell durch das Aufweichen der Haut kleinere Verletzungen entstehen. Außerdem ist dann oft eine Besiedlung mit Pilzen nicht ausgeschlossen ? hier spricht man nicht mehr von einer Windeldermatitis, sondern von einem so genannten Windelsoor.

Verbreitung der Windeldermatitis

Windeldermatitis ist inzwischen zu einer Zivilisationskrankheit geworden, etwa zwei Drittel aller gewickelten Kinder im Säuglings- und Kleinkindalter leiden mindestens einmal, meistens aber häufiger, an einer Windeldermatitis. Sie tritt sowohl in leichter als auch in stärker ausgeprägter Form auf. Dabei sind voll gestillte Säuglinge allerdings weniger von einer Windeldermatitis betroffen. Auch Menschen, die aufgrund von Stuhl- oder Harninkontinenz eine Schutzhose tragen müssen, können von einer Windeldermatitis betroffen sein.

Ursachen der Windeldermatitis

Für eine Windeldermatitis gibt es sehr vielfältige Ursachen. Generell entsteht sie durch eine Wärmestauung und die Feuchtigkeit, die in den modernen Windeln herrschen. Vor allem die bei Säuglingen häufige Entleerung der Blase verursacht dann eine so genannte ?feuchte Kammer?, wodurch die Haut gereizt wird. Zusätzlich wird der Harnstoff im Urin aufgrund alkalischer Zersetzung zu Ammoniak gespalten. Dadurch erhöht sich der pH-Wert, was mit einem ständigen Händewaschen mit Seife vergleichbar ist. Die Haut wird damit anfälliger für Bakterien. Weitere Ursachen sind unter anderem ein schlechter Gesundheitszustand des Kindes oder auch erblich bedingte Neigungen zu atopischen oder seborrhoischen Ekzemen sowie Schuppenflechte.

Pflegecremes mit Duft- und Konservierungsstoffen, aber auch Reinigungstücher können die Haut ebenfalls beeinflussen und zu einer Unverträglichkeit führen, was wiederum zu einer Windeldermatitis führen kann. Auch aufgrund bestimmter Waschmittel oder Weichspüler sind Unverträglichkeiten möglich, die eine Hautreizung auslösen können. Selten, aber möglich, sind auch Unverträglichkeiten gegen eine bestimmte Windelsorte, die aber einfach gewechselt werden kann.

Symptome der Windeldermatitis

Wie der Name es schon sagt, tritt die Windeldermatitis im Windelbereich auf. Vor allem im Anal-, aber auch im Genitalbereich kommt es also zu Hautreizungen. Dabei sind die Stellen am stärksten betroffen, die von der Windel bedeckt werden. Hierzu gehören das Gesäß, die Leistenregion und die Oberschenkel sowie die äußeren Geschlechtsorgane. In seltenen Fällen kann sich die Windeldermatitis auch bis auf den Rücken und den Unterbauch erstrecken. In tiefen Hautfalten ist die Windeldermatitis weniger zu finden, da es hier nicht zu einem direkten Kontakt zwischen Windel und Haut kommt.

Die Windeldermatitis lässt sich durch eine unscharf begrenzte Rötung sowie mögliche nässende Bläschen (so genannte Vesikeln) oder Blasen erkennen. Auch Schwellungen (Ödeme), Schuppungen (Desquamation), sekundäre Haut- oder Schleimhautveränderungen (Erosionen) oder Schorfbildung (Exsudat) können auf eine Windeldermatitis hindeuten.

Bei einer Windeldermatitis sind Säuglinge und Kinder oft schlecht gelaunt, da ihnen aufgrund der schmerzhaften Stellen an den betroffenen Hautregionen meist unwohl ist. Viele Kinder schreien dann vermehrt und reagieren entsprechend auf Berührungen (z. B. beim Windelwechsel) an den betroffenen Hautstellen.

Komplikationen bei einer Windeldermatitis

In Folge einer Windeldermatitis kann es zu einigen Komplikationen kommen. So kann unter anderem eine Sekundärinfektion mit Hefepilzen der Candida-Gruppe (z. B. Candida albicans) entstehen, was dann zu einem Windelsoor führen kann. Außerdem kann des durch diesen Pilz zu einer Ausbreitung auf den Darm kommen. Die Folge einer Infektion mit einem Pilz sind dann meist weißlich-gelbliche Bläschen oder Knötchen. Auch ein schuppiger Ausschlag (seborrhoische Dermatitis) kann als Folge einer Windeldermatitis auftreten. Selten, aber unter Umständen möglich, können die Symptome der Windeldermatitis auch an Armen, Beinen, im Gesicht oder auch am Kopf auftreten und dort schuppige, kleinfleckige Rötungen hervorrufen.

In extremen Fällen kommt es zu einem großflächigen Befall der Haut. Wird eine Pilz-Infektion, die in Folge einer Windeldermatitis entstanden ist, mit Kortison behandelt, kann es außerdem zu einem Gewebeschwund der Haut kommen ? dabei wird die Haut dünner und damit auch wesentlich anfälliger für weitere Hautreizungen.

Behandlung einer Windeldermatitis

Neben der eigentlichen Behandlung gehören hier auch die Diagnose sowie die Prävention der Windeldermatitis dazu. Nachfolgend werden alle Behandlungsansätze zur Feststellung und Therapie der Windeldermatitis erläutert.

Diagnose einer Windeldermatitis

Um die Windeldermatitis sicher diagnostizieren zu können, müssen die Beschwerden genau begutachtet werden. Besteht zusätzlich zur Windeldermatitis der Verdacht auf eine Infektion mit Bakterien oder Hefepilzen, wird in der Regel ein Abstrich für eine mikrobiologische Untersuchung notwendig. Der Arzt sollte sich mit dem Krankheitsbild auskennen und die Windeldermatitis von anderen, ähnlichen Erkrankungen (z. B. Schuppenflechte, Ekzeme, Infektion mit Herpesviren) abgrenzen zu können.

Prävention einer Windeldermatitis

Die wichtigste Maßnahme, um einer Windeldermatitis vorzubeugen, ist der regelmäßige Wechsel der Windeln. Sinnvoll ist es, Windeln nach Bedarf (z. B. direkt nach dem Stuhlgang), spätestens jedoch nach drei bis vier Stunden zu wechseln. Weiterhin sollte die Windel möglichst locker angelegt werden, damit es nicht zu einem Wärmestau kommt. Vor allem in den ersten Lebensmonaten sollte die Haut nicht aufquellen, weshalb Sie mit dem Waschen mit Waschzusätzen sparsam umgehen sollten. Auch auf Pflegeprodukte mit Duft- und Konservierungsstoffen sollten Sie möglichst verzichten, vor allem wenn das Kind zu Hautreizungen neigt. Zur Beseitigung von Schmutz oder auch Salbenresten eignet sich ein sanftes Mandel- oder Olivenöl.

Wichtig ist hierbei, dass Sie den Windelbereich sorgfältig reinigen und den Genital- und Analbereich sowie die Innenseiten der Oberschenkel und alle Hautfalten gründlich abtrocknen. Als stillende Mutter sollten Sie möglichst auf sauere und scharfe Speisen verzichten, auch später sollten noch gewindelte Kinder diese Speisen möglichst nicht verzehren. Die beste und für das Kind wohl schönste vorbeugende Maßnahme zur Vermeidung einer Windeldermatitis ist der Verzicht auf eine Windel. Lassen Sie Ihr Baby bzw. Kleinkind möglichst oft und auch nicht zu kurz ohne Windel strampeln oder herumlaufen.

Therapie einer Windeldermatitis

Zwar sind die Maßnahmen zur Prävention auch bei der eigentlichen Behandlung anzuwenden, es gibt jedoch noch weitere Möglichkeiten, eine Windeldermatitis zu behandeln. Ist es einmal zu einer Windeldermatitis gekommen, sollten Sie auf Reinigungstücher, Salben, Cremes und Seifen möglichst ganz verzichten, bis die Windeldermatitis verschwunden ist. Für die Reinigung eignen sich weiche, saubere Tücher aus Baumwolle sowie warmes Wasser. Sind Salben unbedingt notwendig, dann sollten Sie auf Pasten zurückgreifen, die zur Absorbierung der Feuchtigkeit beitragen (z. B. weiche Zinkoxid-Pasten). Diese tragen Sie in einer dünnen Schicht auf die betroffenen Hautregionen auf. Die Pasten können zusätzlich mit Paraffinöl oder Lebertran hergestellt sein, wodurch sie leichter aufgetragen werden können und die gereizte Haut besser geschont wird.

Besteht der Verdacht, dass die Windeldermatitis aufgrund einer Windelunverträglichkeit entstanden ist, sollten Sie versuchen, eine andere Windelmarke zu nutzen oder auf Stoffwindeln umzusteigen. Hat sich zur eigentlichen Windeldermatitis noch ein Windelsoor dazugesellt, sollten Sie möglichst einen Arzt aufsuchen. Dieser wird Ihnen eine spezielle Paste (Antimykotikum) gegen den Pilz verschreiben, in schweren Fällen ist auch eine Behandlung mit einem schwach wirksamen Hydrokortison denkbar.

Besteht außerdem der Verdacht auf eine Darmcandidose, sollten Sie den Stuhl auf Pilze untersuchen lassen, damit eine entsprechende Behandlung von Mund und Darm erfolgen kann. Infektionen, die durch Bakterien hervorgerufen wurden, werden in der Regel mit einem Antibiotikum behandelt. Generell sollten sämtliche Textilien, die bei einer Besiedlung mit Pilzen und Bakterien mit den betroffen Hautregionen in Berührung kommen, nur einmal verwendet und anschließend als Kochwäsche gewaschen werden. So werden die Erreger abgetötet und eine Neuansteckung verhindert.

Die Behandlung von Pilzinfektionen oder bakteriellen Infektionen, die in Folge einer Windeldermatitis entstanden sind, sollten Sie auf jeden Fall konsequent bis zur Heilung und einige Tage darüber hinaus fortsetzen, da es ansonsten schnell zu einer erneuten Windeldermatitis mit den möglichen Komplikationen kommen kann.

Verlauf einer Windeldermatitis

In der Regel heilt eine frühzeitig erkannte Windeldermatitis schon innerhalb weniger Tage wieder ab. Ist sie jedoch etwas weiter fortgeschritten und wurde bis dahin nicht behandelt, kann sich eine Windeldermatitis unter Umständen auch über mehrere Wochen hinziehen, bevor die betroffenen Hautregionen wieder vollständig geheilt sind. Wird die Windeldermatitis nicht oder nicht ausreichend behandelt, kann sie auch andere Körperstellen befallen.

Tritt die Windeldermatitis bei einem Kind öfter auf oder helfen auch die vorbeugenden Maßnahmen nicht, dann sollte der allgemeine Gesundheitszustand des Kindes untersucht werden. Es ist möglich, dass Allergien vorhanden sind, das Kind ein schwaches Immunsystem oder auch eine andere ernstzunehmende Krankheit hat, die für die Windeldermatitis ursächlich sind.

Naturheilkunde bei Windeldermatitis

Viele Eltern schwören inzwischen auf eine naturheilkundliche Behandlung der Windeldermatitis. Das Mittel der Wahl ist hier Kamille. Weiterhin eignen sich auch Bärlapp, Ehrenpreis, Eiche, Ringelblume, Thymian und Salbei. Diese Heilkräuter wirken heilend, meist auch pilztötend sowie austrocknend. Nur bei schweren Fällen sollten Sie auf eine Creme wie z. B. Multilind (enthält Nystatin, das pilztötend ist) zurückgreifen.

Einige Gedanken zur modernen Windel

Die modernen Windeln sind wohl für alle Eltern inzwischen ein richtiger Segen. Nur wenige Eltern werden das anders sehen. Und dennoch ist die moderne Windel von heute nicht immer die beste Lösung, denn sie bietet den optimalen Nährboden für eine Windeldermatitis. Die Windel von heute ? sie ist wasser-, luft- und dampfdicht und lässt Urin und Stuhl auf der zarten Haut des Babys schnell wirken., und zwar negativ. Sinnvoller sind eigentlich die Stoffwindeln, die noch unsere Eltern kennen ? doch die Tatsache, dass dies mit viel Wäsche verbunden ist, lässt viele Eltern auf die modernen Wegwerfwindeln zurückgreifen. Hier gilt deshalb immer, die Windeln rechtzeitig zu wechseln. So geht es Ihrem kleinen Schatz immer gut und er fühlt sich pudelwohl.

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