Tinea cruris

RasierenTinea cruris

Die Tinea cruris ist eine Pilzerkrankung des Unterschenkels. Hautpilz kennen die meisten Menschen nur als Erkrankung des Fußes, oft auch des Zehennagels. Wird ein solcher Pilz jedoch verschleppt, so kann er, beispielsweise beim Rasieren der Beine, auch die Haut und Haarfollikel des Unterschenkels besiedeln. Dem Infektionsweg entsprechend trifft Tinea cruris also vor allem Frauen. Starker Juckreiz und braun-rötliche, schuppende Knötchen meist an der Außenseite des Unterschenkels sind die Folge und die ersten Anzeichen dieser Erkrankung. Was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Begriffsdefinitionen – die Sprache der Medizin

Der Begriff Tinea cruris bezeichnet die Infektion mit einem Hautpilz am Unterschenkel. „Tinea“ ist ein häufig benutzter Begriff für alle möglichen Infektionen mit Dermatophyten (Hautpilzarten), es gibt auch Tinea pedum (den Fußpilz) und Tinea capitis (eine Pilzinfektion der behaarten Kopfhaut, welche meist Kinder trifft). „Crus“ ist in der Anatomie der Name des Unterschenkels, der Wade.

Im angloamerikanischen Sprachraum wird die Tinea cruris fälschlicherweise mit der Tinea inguinalis gleichgesetzt – letztere ist aber eine Infektion der Leiste, wo sich aufgrund des feuchten, warmen Milieus auch leicht Hautpilze festsetzen können. Um diese soll es hier jedoch nicht gehen.

Was Hautpilze sind

Dermatophyten sind Fadenpilze, welche sich auf die Haut von Mensch und Tier spezialisiert haben. Diese Pilzarten leben und überdauern überall in der Natur: Im Erdboden, auf Pflanzen, Tieren und eben auch auf dem Menschen können die Pilze sich niederlassen und je nach Spezies vom dort vorherrschenden Milieu profitieren. Etwa ein Viertel der gesamten Biomasse der Erde besteht aus Pilzen! Aus humanmedizinischer Sicht gibt es neben den Dermatophyten auch noch die Hefe- und Sprosspilze sowie die Schimmelpilze und darüber hinaus jede Menge anderer Arten, die mit Bäumen und Sträuchern in Symbiose leben und Pflanzenwachstum überhaupt erst ermöglichen.

Neben dieser nützlichen Rolle ihrer Artgenossen sind Hautpilze aber natürlich vor allem eins: ein Ärgernis. Sie ernähren sich von humanem Keratin, einem wesentlichen Bestandteil von Hornhaut, und befallen daher ausschließlich Haut, Haare und Nägel. Wir holen sie uns meist durch direkte Ansteckung oder durch Übertragung über unbelebte Gegenstände: die Kacheln im Schwimmbad, die stets feuchte öffentliche Dusche, die Gymnastikmatte im Fitnessstudio – all dies sind häufige Ansteckungswege für Dermatophyten. Auch eine Übertragung vom Fell von Tieren auf den Menschen ist möglich und betrifft besonders häufig Kinder (zum Beispiel bei der Tinea capitis).

Begünstigende Faktoren einer Pilzinfektion

Entscheidend für die Entstehung einer Mykose, also einer Pilzinfektion, ist die Möglichkeit des Dermatophyten, in die Haut einzudringen und dort der Immunabwehr des Wirtes zu entkommen. Denn auch ein so unbelebt erscheinendes Gewebe wie die Haut des Menschen hat normalerweise ein hochleistungsfähiges Abwehrsystem! Die meisten Pilze sind fakultativ pathogen. Das bedeutet, dass sie nur bei gestörter Hautbarriere oder Immunabwehrstörungen des Menschen eine Krankheit auslösen können. Man spricht von „opportunistischer Infektion“.

Begünstigende Faktoren für einen solchen Opportunisten können zum Beispiel Durchblutungsstörungen der Haut sein, welche bei Arteriosklerose im höheren Alter oder bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) auftreten (kalte Füße). Auch ein Diabetes mellitus, also die heutzutage sehr häufige „Zuckerkrankheit“, schwächt die Immunabwehr. Des Weiteren gibt es eine ganze Reihe von Grunderkrankungen und auch modernen Medikamenten, welche das Immunsystem allgemein schwächen und so auch Pilzen den Weg ebnen können. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, wenn Sie sich unsicher sind!

Man muss aber nicht ernsthaft krank sein, um sich einen Pilz einzufangen: Kleine Kinder haben oft noch ein unausgereiftes Immunsystem und bekommen relativ leicht einen Hautpilz. Und für den insgesamt sehr häufigen Fuß- oder Nagelpilz (über 10 Prozent der Bevölkerung hat zum Beispiel einen Nagelpilz) ist allein schon das feuchte, warme und muffige Milieu von Sportschuh und Tennissocke genug des Anreizes, sich dauerhaft niederzulassen. Man spricht daher im englischen Sprachraum auch von der Erkrankung als „Athlete’s foot“.

Vom Fußpilz zur Tinea cruris

Tinea cruris ist meist keine primäre Infektion. Das soll heißen, dass Tinea cruris meist aus einem Fußpilz entsteht, der schon lange vorher bestanden hat und sich dann irgendwann nach oben ausbreitet.

Der Fußpilz ist die häufigste Dermatophyteninfektion und betrifft meist die schwitzigen Zehenzwischenräume, wo die Mikroorganismen ihre bevorzugten Lebensbedingungen vorfinden. Es kommt immer wieder zu stark juckenden Bläschenschüben und zur Mazeration, also zum Einreißen der Haut bis in tiefere Schichten. Gerade dieses Einreißen macht den Fußpilz übrigens gefährlich: Hier können Eintrittspforten für bakterielle Erreger entstehen, die zum Beispiel ein Erysipel verursachen können.

Über lange Zeit kann die Fußpilzinfektion jedoch auch unbemerkt verlaufen, sodass man sich des Risikos einer Ausbreitung oft gar nicht bewusst ist. Der Pilz kann per Hand „verschmiert“ werden und gelangt so hoch in Richtung Knöchelregion und Unterschenkel. Für die Eintrittspforte bei Tinea cruris sorgt dann oft der Rasierer: Bei der Rasur der Beine lässt es sich nicht vermeiden, dass minimale Verletzungen der Haut entstehen. Die mit der Klinge unweigerlich mitgenommenen Dermatophyten gelangen so direkt in die Haut und siedeln sich vor allem in den aufgerissenen Haarfollikeln an.

Die Symptomatik von Tinea cruris

Allgemein machen sich Pilzinfektionen meist durch Jucken, Hautrötung, Schuppung und manchmal auch durch ein „Nässen“ oder Aufreißen der Haut bemerkbar. Dies liegt daran, dass die Pilze mit ihrer rücksichtslosen Ausbreitung und Zerstörung der Hornhaut eine Entzündung in den obersten Hautschichten (Tinea superficialis) auslösen. Nur bei stark geschwächter Immunlage oder besonders aggressiven Pilzen (vor allem jenen Dermatophyten der Tierwelt) kann diese Infektion auch einmal tiefer gehen und Pusteln und entzündliche Infiltrate hervorrufen (Tinea profunda).

Bei Tinea cruris lässt sich die Entzündung oft gut den Haarfollikeln zuordnen. Sie zeigen braun- oder blaurötliche, erbsengroße Knötchen und haben meist einen schuppigen Rand. Starker Juckreiz an den entsprechenden Stellen ist obligat. Vor allem betroffen sind bei tinea cruris die Außenseiten der Unterschenkel. Sollten Sie diese Beschwerden bei sich feststellen, ist es ratsam, einen Hautarzt (oder zunächst Ihren Hausarzt) aufzusuchen, um das Problem einmal abzuklären.

Was der Hautarzt bei Tinea cruris tun kann

Für den Arzt ist Tinea cruris oft eine Blickdiagnose, welche sich aus dem typischen äußeren Erscheinungsbild und der Vorgeschichte (Frauen, Beinrasur, gleichzeitig bestehender Fußpilz) ergibt. Jedoch gibt es Möglichkeiten, diese Diagnose Tinea cruris zu sichern: Der Beweis einer Tinea cruris wird durch den mikroskopischen Nachweis von Pilzelementen erbracht.

Zudem ist eine kulturelle Anzucht (Pilzkultur) der Dermatophyten möglich, anhand derer sich auch nähere Aussagen über die genaue Pilzspezies und über mögliche Resistenzen gegen Antimykotika (siehe unten) treffen lassen. Allerdings dauert die Kultur, je nach Wachstumsgeschwindigkeit der Erreger, bis zu vier Wochen. Schnell wachsende Dermatophyten lassen sich frühestens nach einer Woche identifizieren.

Das Untersuchungsmaterial für die Diagnostik bei Tinea cruris sind Hautschuppen, Nagelspäne oder epilierte Haare, welche aus dem Randbereich der befallenen Areale entnommen werden. Im Falle des Unterschenkels genügt meist ein kräftiger Abstrich.

Es gibt weitere Möglichkeiten der Pilzdiagnostik durch den Hautarzt. Mit der Wood-Lampe, welche UV-Licht aussendet, lassen sich manche Dermatophytenarten im abgedunkelten Raum als fluoreszierende Areale auf der Haut erkennen. Diese Methode hat jedoch nur untergeordnete Bedeutung, da meist ohnehin eine Therapie mit pilztötenden Mitteln erfolgt und gegebenenfalls eine Pilzmikroskopie und -kultur durchgeführt wird.

Die Therapie der Tinea cruris mit Antimykotika in zwei Angriffslinien

Die Behandlung von Pilzinfektionen der Haut wie Tinea cruris erfolgt im Allgemeinen in zwei abgestuften „Angriffslinien“. Die erste Linie ist dabei die topische Therapie, welche nach Möglichkeit immer versucht werden sollte. „Topisch“ bedeutet, dass das Pilzmittel „am Ort“ aufgetragen wird, was als Lösung, Creme oder Salbe passiert. Verwendete Wirkstoffe sind hier vor allem die Azol-Antimykotika, Tolnaftat oder Terbinafin. Wenn Tinea cruris nur lokal und sehr oberflächlich in der Haut vorliegt, kann das Auftragen über einige Tage bis vier Wochen bereits ausreichen, die Infektion zu beseitigen. Gleichzeitig werden lästige Nebenwirkungen der Mittel vermieden, da der Wirkstoff überhaupt nicht in nennenswerten Mengen ins Blut gelangt und daher auch nicht im Körper verteilt werden kann.

Was sich in der Theorie sehr einfach anhört, hat in der Praxis jedoch so seine Tücken. Zunächst einmal ist eine recht lange Behandlungsdauer erforderlich, um eine Mykose wie Tinea cruris wirklich endgültig zu besiegen. In den Hornschichten der Epidermis können sich einzelne Pilzzellen nämlich recht lange halten und sich in ihrer Dauerform als „Sporen“ verschanzen, in welcher sie recht beständig und beinah unangreifbar sind. Da sie zwar durch den Wirkstoff an Wachstum und Vermehrung gehindert, gleichzeitig aber nicht komplett abgetötet werden, muss man praktisch unter ständiger Wirkstoffapplikation abwarten, bis die gesamte Hautschicht mitsamt Pilzsporen abgestoßen wird. Wenn nach wenigen Tagen Juckreiz und Rötung nachlassen, ist zwar die Entzündung bereits erfolgreich bekämpft – zur vollständigen Reinigung der Haut jedoch sind manchmal bis zu vier Wochen lokaler Therapie nötig.

Ein zweites Problem der topischen Therapie ist, dass sie oft nur sehr oberflächlich wirkt und tiefere Pilze nicht erwischt, da die Abwehrbarriere der Haut sich auch gegen das Medikament richtet. Zudem kommt es leicht zu erneuten Infektionen (Reinfektionen). Hartnäckige oder großflächige Hautpilze wie Tinea cruris werden daher oftmals von vornherein „systemisch“ behandelt. Dies geschieht in Form von Tabletten und wirkt dann im gesamten Körper. Dementsprechend sind Nebenwirkungen zu bedenken – vor allem ist eine gute Leberfunktion Voraussetzung für die meisten antimykotischen Wirkstoffe. Verwendet werden Griseofulvin (einziges zugelassenes Medikament bei kleinen Kindern), Itraconazol, Fluconazol oder Terbinafin.

Die systemische Anwendung führt zu einer besseren Anreicherung in der Hornhaut und zu besseren Heilungsraten bei Tinea cruris. Die Anwendungszeit kann dadurch meist auf etwa die Hälfte verkürzt werden. Zwei Wochen sind in den meisten Fällen üblich. Eine Kombination mit lokaler Therapie ist zusätzlich möglich.

Bei Tinea cruris handelt es sich also um eine durchaus ernstzunehmende und hartnäckige Erkrankung, die ein entschlossenes Vorgehen erfordert. Zwar geht von den Pilzen keine unmittelbare Gefahr aus, da sie sich nur auf der Haut wohlfühlen – der Befall ist jedoch ein großes kosmetisches Problem und führt, je länger er dauert, zur Entzündung der Haut und zu einem kaum auszuhaltenden Juckreiz.

Die Risiken einer Therapie über zwei Wochen sind dagegen eigentlich recht übersichtlich. Eventuell sollten die Leberwerte bestimmt werden. Tinea cruris ist jedoch meist sehr gut behandelbar.

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