Tinea corporis

Ethic young woman back with itchy skinDefinition von Tinea corporis

Als Tinea corporis (corpus = Rumpf, Körper) bezeichnet man einen Körperpilz an Rücken, Brust und Abdomen, der durch Dermatophyten (= Fadenpilze) ausgelöst wird. Sehr häufig werden dabei Erreger von Tieren auf Menschen übertragen (zoophile Arten), es können aber auch verschiedene Gegenstände (Bürsten, Kämme, Käfige, Decken) infiziert sein, mit denen Tiere zuvor in Kontakt waren. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch (antrophile Arten) ist möglich.

Dermatophyten können menschliches Keratin abbauen und sind äußerst resistent gegen Austrocknung. Insgesamt gibt es 40 unterschiedliche Arten, wobei im mitteleuropäischen Raum der häufigste Erreger der Tinea der Trichophyton rubrum ist. Bei Kindern und Jugendlichen sind vor allem zoophile Dermatophyten die Ursache der Erkrankung, wobei hier vor allem Stämme von T. interdigitale isoliert werden, die hauptsächlich von Haustieren wie Hamstern, Mäusen, Kaninchen, Meerschweinchen oder Ratten stammen.

Auch wenn Reisende beispielsweise Dermatophyten aus dem Süden mitbringen, so finden sie in einem haustierreichen Haushalt optimale Bedingungen vor, um sich zu vermehren. Nach dem Eindringen in die Epidermis breiten sich Dermatophyten zentrifugal aus und rufen eine Entzündungsreaktion hervor. Dabei ist die Entzündung durch zoophile Dermatophyten normalerweise intensiver.

Häufigkeit von Tinea corporis

Tinea corporis gehört zu einer der häufigsten Hauterkrankungen überhaupt. Die prozentuelle Häufigkeit der einzelnen Dermatophyten wird in nachfolgender Tabelle dargestellt (Quelle: Hahn, Helmut: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Springer Medizin Verlag Heidelberg 1991):

Dermatophyten: Häufigkeit (in Prozent)

  • T. rubrum 66
  • M. canis 12
  • T. tonsurans 9
  • T. mentagrophytes 8
  • T. verrucosum 2
  • Epidermophyton floccosum 2

Ursachen des Körperpilzerkrankung

Eine Körperpilz-Erkrankung, auch Tinea corporis genannt, hat ihre Ursache in einer Infektion, die durch bestimmte Pilze hervorgerufen wird. Nach dem Eindringen in den menschlichen Körper breiten sie sich um die Eintrittsstelle herum aus und rufen eine Entzündung hervor. Begünstigende Faktoren für eine Ansteckung mit dem Körperpilz sind ein feucht-warmes Milieu der Haut, zum Beispiel durch Schwimmen oder körperliche Arbeit oder ein feucht-warmes Klima.

Weitere Risikofaktoren sind Diabetes mellitus, ein geschwächtes Immunsystem (zum Beispiel durch Immundefekte, immunschwächende Medikamente oder HIV) oder Durchblutungsstörungen der Haut. Ein weiterer begünstigender endogener Faktor ist Übergewicht (Adipositas). Außerdem tritt eine Körperpilzinfektion bei pathologischer Hautempfindlichkeit, wie zum Beispiel Neurodermitis, wesentlich häufiger auf. Darüber hinaus sind ältere Menschen und Kinder häufiger von einer Tinea betroffen.

Symptome von Tinea corporis

Typisch für den Körperpilz sind kreisrunde, randbetonte Läsionen mit Schuppung, Rötung, kleinen Papeln und manchmal auch kleinen Pusteln. Das Zentrum der kreisförmigen Herde ist meistens blass und es tritt Juckreiz auf. Die Randbetonung hilft, eine Tinea corporis von einem Ekzem zu unterscheiden, das das Maximum seiner Veränderungen stets im Zentrum zeigt und sich zum Rand hin abschwächt. Charakteristisch ist außerdem, dass sich die Herde langsam – oft über Wochen hinweg – peripher ausdehnen und auch immer wieder neue Herde entstehen.

Allerdings kann die Infektion auch tiefer liegen, wodurch sehr heftige Entzündungsreaktionen ausgelöst werden. Dann treten äußerst schmerzhafte und nässende Knoten auf und es kommt zu einer Lymphknotenschwellung in der betreffenden Umgebung. Des Weiteren leiden die Patienten an Abgeschlagenheit und Fieber. Die starke Entzündung weist darauf hin, dass es sich um einen Pilz handelt, der an den Menschen wenig adaptiert ist. Daher erfolgt die Übertragung sehr häufig vom Tier zum Menschen, wobei vor allem Meerschweinchen, Katzen, Hunde, Kälber und Katzen dafür in Frage kommen. Die Tiere selbst weisen oft nur sehr diskrete Anzeichen einer Erkrankung auf, die allerdings dem Tierarzt durchaus bekannt sind.

Diagnose von Tinea corporis

Beschwerden wie Hautreizungen, Rötungen und Juckreiz können auch bei anderen Erkrankungen auftreten, daher sollte beim Bemerken der Beschwerden ein Arzt konsultiert werden. Erkrankungen, die eine ähnliche Symptomatik aufweisen, sind zum Beispiel:

  • Seborrhoische und nummuläre Ekzeme
  • Pityriasis rosea (Hauterkrankung mit Schuppung und Rötung)
  • Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Pityriasis versicolor (Kleiepilzflechte)

Der Arzt wird die Haut zunächst umfassend inspizieren und mit Hilfe eines Abstrichs infiziertes Material entnehmen, das anschließend unter dem Mikroskop untersucht wird. Dadurch kann festgestellt werden, welche Erreger die Symptome ausgelöst haben. Bei dringendem klinischen Verdacht kann auch ein optischer Aufheller beigefügt werden, um die Diagnostik zu erleichtern bzw. zu verbessern. Außerdem müssen die Entnahmestellen zuvor mit 70-prozentigem Alkohol gereinigt werden, um eventuelle Keime zu beseitigen.

Um die genaue Gattung und Pilzart herauszufinden, wird eine Pilzkultur angelegt, die mit Hilfe des Abstrichs und eines speziellen Nährbodens angezüchtet wird. Je nach Erreger kann dies etwa drei bis sechs Wochen dauern. Die genaue Ermittlung der Spezies ist vor allem für die systemische Therapie sowie für das Aufdecken von Infektionsketten von wesentlicher Bedeutung. Die Pilzkulturen werden dann nach mikroskopischen, makroskopischen und physiologischen Kriterien beurteilt.

In manchen Fällen können auch noch weitere Untersuchungen notwendig sein. Dazu zählen unter anderem:

  • Untersuchungen mit dem so genannten Wood-Licht, einer Lampe, die UVA-Strahlen von einer Wellenlänge bis zu 365 nm (so genanntes Schwarzlicht) hervorbringen kann, wodurch spezielle Dermatophyten-Arten erkannt werden können. Liegt eine Tinea vor, so erscheinen die betroffenen Regionen in einem gelb-grünen Licht.
  • Anlegen von Unterkulturen, um die Erreger zu klassifizieren.
  • Manchmal ist es auch notwendig, die Verträglichkeit der Patienten auf spezielle Antipilzmedikamente zu testen.
  • Einsatz des DTM-Mediums, um zwischen Schimmeln und Dermatophyten differenzieren zu können.
  • Differenzierung von Dermatophytenstämmen mit Hilfe von genetischen Untersuchungen, wenn klassische Verfahren nicht ausreichend sind.

Behandlung des Körperpilzes

Eine exakte Diagnostik ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche topische bzw. systemische Therapie einer Tinea corporis, da diese Daten für die Auswahl des Antimykotikums entscheidend sind. Wird der Körperpilz inadäquat behandelt oder mit glukokortikoidhaltigen Externa unterdrückt, so ist es möglich, dass das klassische Bild oftmals komplett verschwimmt.

Topische Therapie von Tinea corporis

Im Normalfall erfolgt eine Lokaltherapie mit Vertretern aus anerkannten Wirkstoffklassen. Dazu zählen:

  • Azole: Miconazol, Clotrimazol, Bifonazol, Econazol, Sertaconazol sowie Tioconazol
  • Hydroxypyridone: Ciclopiroxolamin
  • Allylamine: Terbinafin, Naftafin
  • Morpholine: Amorolfin

Je nach Ausprägung und Lokalisation sind diese Medikamente als Lösung, Gel, Creme, Puder oder Paste erhältlich, wobei die Anzahl der Anwendungen bei den verschiedenen Präparaten unterschiedlich ist. Die meisten Wirkstoffklassen hemmen dabei die Ergosterolbiosynthese in der Pilzzellmembran. Ergosterol ist ein Bestandteil der so genannten zytoplasmatischen Membran. Durch die Hemmung der Biosynthese, wird die Funktion der Membran erheblich eingeschränkt. Zur Vermeidung von Rezidiven sollte die Lokalbehandlung noch etwa drei bis vier Wochen nach klinischer Heilung fortgesetzt werden.

Systemische Therapie von Tinea corporis

Sollte eine topische Therapie nicht ausreichen, so ist bei einer großen Ausdehnung eine systemische Behandlung durchzuführen. Bei einer systemischen Therapie spielen auch das Alter der Patienten sowie bei Kindern das Körpergewicht und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eine Rolle. Für diese Form der Therapie werden folgende Medikamente eingesetzt:

  • Griseofulvin mikrofein
  • Azole: Itraconazol
  • Allylamin: Terbinafin

Im Regelfall erfolgt die Behandlung ambulant, in einzelnen Fällen kann auch – vor allem bei besonders ausgeprägten Verlaufsformen – eine stationäre Behandlung notwendig sein. Speziell im Kindesalter sollte eine systemische Therapie jedoch immer mit einer topischen Therapie kombiniert werden, um so die sofortige Wirksamkeit zu erreichen und eine Ausbreitung bzw. Ansteckung zu verhindern. Dafür werden bei Kindern vor allem Imidazol- bzw. Azolderivate eingesetzt.

Normalerweise zeigt die Tinea corporis einen sehr günstigen Verlauf. Nach erfolgter Behandlung heilen die Entzündungsherde ab, ohne Spuren zu hinterlassen. Wird die Infektion jedoch nicht behandelt, so nimmt sie einen chronischen Verlauf und kann auch zu einer Ansteckung von anderen Personen führen. Bei Menschen, die unter einem geschwächten Immunsystem leiden kann die Tinea corporis darüber hinaus auch Organe befallen.

Zur systemischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen war lange Zeit Griseofulvin das einzig zugelassene Präparat. Im Vergleich zu anderen Antimykotika ist jedoch seine Wirksamkeit mit einer Dosis von 10mg/kg KG/Tag um einiges geringer, sodass eine erhöhte Dosierung von bis zu 25mg/kg KG/Tag empfehlenswert ist. Je nach Erreger liegt die Behandlungsdauer hier zwischen zwei bis acht Wochen. Neben Griseofulvin eignet sich auch Fluconazol für die Behandlung von jungen Patienten ab dem ersten Lebensjahr. Ein Nachteil ist jedoch die Interaktion mit verschiedenen anderen Medikamenten.

Schwangerschaft und Stillzeit

Zur lokalen Therapie von Dermatophyten kann während der Schwangerschaft und Stillzeit Clotrimazol verwendet werden. Andere Antimykotika sind während dieser Zeit nicht empfehlenswert, da es keine exakten Studien dazu gibt. Bei einer zwingenden Indikation eines anderen Wirkstoffes während der Stillzeit sollte dieser nur auf kleinen Flächen und nur vorübergehend angewendet werden. Eine systemische Therapie in der Schwangerschaft sollte nur im Falle einer lebensbedrohlichen Situation erfolgen.

Auch in der Stillzeit ist von systemischen Antimykotika abzuraten, da Azole in die Muttermilch übertreten können. Ist eine systemische Therapie in dieser Zeit unumgänglich, so ist Fluconazol das Mittel der Wahl, da es ein relativ günstiges Nebenwirkungsspektrum aufweist. Alle anderen systemischen Antimykotika sind in der Stillzeit zu vermeiden.

Vorbeugung von Tinea corporis

Da Dermatophyten feuchte Regionen der Haut bevorzugen, sollte man den Körper so trocken wie möglich halten. Vor allem nach dem Schwimmen empfiehlt es sich, nasse Badekleidung sofort zu wechseln. Auch verschwitzte Haut ist ein idealer Nährboden für Pilze. Aus diesem Grund sollten Sie im Sommer immer Kleidung zum Wechseln mit dabei haben bzw. atmungsaktive Kleidung tragen. Außerdem sollten Kleidungsstücke, Kissenbezüge oder Decken bei 90 Grad gewaschen werden, um einer neuerlichen Übertragung vorzubeugen. Gegenstände wie Kämme oder Bürsten können auch mit pilzabtötenden Desinfektionsmitteln eingesprüht werden.

Verdächtige Herde, die möglicherweise auf den Körperpilz hinweisen, sollten so früh wie möglich antimykotisch behandelt werden. Allerdings ist es sehr schwierig, prophylaktische Maßnahmen zu treffen, da Tiere sehr häufig keine bzw. nur sehr schwer erkennbare Anzeichen einer Infektion zeigen.

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