Tinea barbae

young man scratching his beardTinea barbae

Wenn ein Hautpilz eine Körperregion befällt, so ist das nie besonders angenehm. Ein wirklich großes medizinisches und kosmetisches Problem wird der Befall jedoch dann, wenn man ihn, für alle Welt sichtbar, im Gesicht trägt: Tinea barbae, die Bartflechte, ist ein Befall der behaarten Gesichtshaut beim Mann, welche sich mit teils großen, knotigen und entzündlich geschwollenen Hautveränderungen im Bartbereich äußert und zudem auch noch juckt und schmerzt. Betroffen von der Bartflechte sind vor allem Männer aus ländlichen Gegenden, da die Erreger oftmals von Nutzvieh auf den Menschen übertragen werden. Oft heilt eine Erkrankung mit Bartflechte von selbst aus – wer jedoch keine Narben behalten möchte, sollte vorher zum Hautarzt gehen.

Kleiner Überblick zu den Begrifflichkeiten

Die Tinea barbae, auch Bartflechte genannt, ist eine Dermatophytose des Gesichts im Bereich des Barthaars bei Männern, so lautet die allgemeine Defintion. Damit Sie medizinische Texte und am Ende auch Ihren Arzt besser verstehen, kann ein kleiner Ausflug in die medizinische Terminologie nicht schaden: „Dermatophyten“ nennt man die Unterart von Pilzen, welche nur die Haut von Mensch und Tier befallen, also klassische „Hautpilzerreger“ sind. Eine „Dermatophytose“ ist somit eine Erkrankung bzw. Infektion mit solchen Pilzen, ganz allgemein eine „Mykose“. Diese Infektionen mit Hautpilzen werden als Diagnose stets mit dem Begriff „Tinea“ betitelt – neben der Tinea barbae des Bartes gibt es auch die Tinea pedis, also den Fußpilz, die Tinea ungium als Nagelpilz, die Tinea corporis der verschiedenen Körperregionen oder die Tinea capitis, welche vor allem Kinder betrifft und die behaarte Kopfhaut befällt.

Die Welt der Pilze

Pilze sind ja zunächst einmal nichts Gutes oder Schlechtes: Es gibt leckere Champignons, giftige Fliegenpilze, Schimmelpilze in feuchten Ecken der Wohnung und jede Menge Pilze im Erdboden in der freien Natur. Rund ein Viertel der gesamten Biomasse der Erde besteht aus Pilzen – ohne sie wäre Pflanzenwachstum kaum möglich, da die Flora mit dem Pilzreich in enger symbiontischer Beziehung steht!

In der Medizin kennt man Pilze aber vor allem im negativen Zusammenhang als Giftstoffe, Allergene oder Krankheitserreger. Allgemein spricht man bei durch Pilzinfekte hervorgerufenen Krankheiten von „Mykosen“, welche häufig die Lunge oder die Schleimhäute des Magen-Darm- oder Urogenitaltraktes betreffen.

Die Erreger der Bartflechte

Im Falle der Dermatophyten betreffen sie nur die Haut. Dermatophyten ernähren sich nämlich von Keratin und fühlen sich daher nur dort wohl, wo dieser Verhornungsstoff in rauen Mengen vorkommt: In der Epidermis des gesamten Integuments, in Haarfollikeln und im Finger- und Fußnagel. Der Weg eines Pilzes in die menschliche Haut ist vorgezeichnet: Er sitzt oft in feuchten, warmen Gegenden wie Saunen, öffentlichen Duschen, Schwimmbädern, Sportmatten oder Fitnessstudios und wird mit einer einfachen Hautberührung aufgenommen. Auch die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist häufig, dies mag bei allen möglichen Gelegenheiten geschehen, zum Beispiel beim Ringkampf oder beim Geschlechtsverkehr.

Ein dritter Infektionsweg ist für den Spezialfall der Bartflechte entscheidend: Die Übertragung von Tieren auf den Menschen. Tiere sind nämlich ebenso von Hautpilzen betroffen wie der Mensch und es gibt einige Unterarten, welche sowohl Tier als auch Mensch befallen können. Das betrifft besonders häufig Kinder, die nach dem Schmusen mit dem Meerschweinchen einen Pilz aus dessen Fell auf die eigene behaarte Kopfhaut bekommen (Tinea capitis). Ein anderer häufiger Fall ist die Bartflechte, welche Jugendliche und erwachsene Männer befällt und vor allem in ländlichen Gegenden auftritt, wo die Betroffenen engen Kontakt mit Rindern oder anderen infizierten Tieren haben. Eine einfache Berührung des Tieres mit der Hand und das nachfolgende Kratzen mit der Hand am Kinn kann als Übertragungsvorgang für die Bartflechte bereits ausreichend sein.

Die auslösenden Dermatophyten sind hier vor allem Trichophyton mentagrophytes (Hauptwirt Nagetiere) und Trichophyton verrucosum (Hauptwirt Rinder), darüber hinaus aber auch andere Trichophyton- und Microsporum-Arten.

Weitere Faktoren, die eine Infektion mit der Bartflechte begünstigen

Grundsätzlich benötigen Hautpilze eigentlich immer ein feucht-warmes Klima, wie sie es in geschlossenen Sportschuhen oder in der Leistenbeuge vorfinden, eine Eintrittspforte (zum Beispiel minimale Hautverletzungen beim Sport) und andere prädestinierende Faktoren wie etwa abwehrschwächende Grunderkrankungen. All dies spielt bei der Bartflechte keine so große Rolle wie beim Fußpilz oder bei der Tinea inguinalis.

Das liegt daran, dass es sich hier um andere Pilzspezies handelt, welche etwas aggressiver vorgehen als ihre Artgenossen. Zoophile Spezies, also jene Arten, welche auch Tiere befallen, verursachen meist tiefergehende und hartnäckigere Infektionen (Tinea profunda) als die rein geophilen (aus dem Erdboden) oder antropophilen (nur beim Menschen lebenden) Dermatophyten.

Häufiger Tierkontakt alleine reicht für die Entstehung einer Bartflechte also manchmal schon aus. Dennoch kann auch hier eine Abwehrschwäche begünstigend wirken. Dies betrifft zum Beispiel Zuckerkranke, also Menschen, die unter Diabetes mellitus leiden. Auch Durchblutungsstörungen und die Einnahme immunsuppressiver Medikamente oder eine Immunschwäche-Krankheit können die Entstehung einer Bartflechte begünstigen.

Wie eine Bartflechte aussieht

Die Infektion des Barthaars sieht zunächst einmal aus wie jede andere Tinea corporis auch: Es bilden sich runde, gerötete Herde, welche randbetont Schuppen bilden und auch nässen können. Begleitend findet sich immer ein starker Juckreiz, welcher die Betroffenen zum Kratzen verleitet. Ebenso kann die Haut im betroffenen Areal nässen.

Da es sich bei der Bartflechte aber meist um eine tiefergehende Infektion handelt, geht die Entwicklung noch weiter. Die Pilze sitzen vor allem in den Haarfollikeln und sorgen dort für eine Entzündung, die einer schweren Akne ähnelt: Es bilden sich furunkelartige Knötchen und Pusteln, die teils sehr dick anschwellen können und irgendwann unter Eiterentleerung aufbrechen. Anschließend verkrustet der gesamte Prozess. Die betroffenen Barthaare lassen sich meist sehr leicht herauszupfen.

Wenn die entzündeten Areale groß genug sind oder sich mehrere solcher furunkulösen Gebilde vereinigen, kann es gar zur Abszessbildung kommen: Eine eitrige Höhle kapselt sich unter der Haut ab und gewährt Außenwelt und Immunsystem keinen Zugang mehr. In schweren Fällen einer Bartflechte kann auch eine Vergrößerung der regionären Lymphknoten hinter dem Ohr oder seitlich am Hals oder unter dem Unterkiefer dazukommen. Auch Fieber ist möglich.

Wohin mit einer Bartflechte?

Zwar kann die Bartflechte auch von selber ausheilen – dies geschieht jedoch meist unter Zurückbleiben einer mehr oder minder großen Narbe, auf welcher anschließend kein Barthaar mehr wächst. Zudem kann die Infektion auch recht lange andauern, was neben den Schmerzen und dem Juckreiz vor allem auch ein kosmetisches und soziales Problem für den Betroffenen bedeutet.

Daher sollte man mit Beschwerden, welche in etwa der oben genannten Beschreibung der Bartflechte entsprechen, ruhig rechtzeitig seinen Hausarzt aufsuchen, der die Angelegenheit dann entweder selber in die Hand nimmt, oder die Überweisung zu einem Hautarzt (Dermatologen) veranlasst, welcher kraft seines Amtes auch auf Hautpilzbehandlung spezialisiert und daher die endgültig richtige Adresse ist.

Beim Arzt

Viele Hautärzte sind erfahren genug, eine Bartflechte rein äußerlich zu identifizieren und als „Blickdiagnose“ die entsprechende Behandlung einzuleiten. Passt die entsprechende Anamnese (Tierkontakt) zum klinischen Erscheinungsbild (neu aufgetretene furunkelartige Barthaarentzündung), so genügt dies meist.

Darüber hinaus können Dermatologen einen Nachweis der Erreger der Bartflechte anstreben. Hierzu muss eine kleine Probe der Haut mittels Abstrich genommen werden, am Besten aus dem schuppigen Randbereich des entzündeten Hautareals. Unter dem Mikroskop sind dann die entsprechenden Fadenpilze sichtbar und die Diagnose Bartflechte steht.

Will man darüber hinaus noch die genaue Pilzspezies (Trichophyton mentagrophytes, Trichophyton verrucosum, etc.) wissen, die für die Bartflechte verantwortlich ist, so muss eine Pilzkultur angelegt werden. Hierbei züchtet man den Pilz aus dem Probematerial auf einem geeigneten Nährboden an, was bei schnell wachsenden Pilzarten mal eine Woche, bei langsameren Zeitgenossen aber auch über vier Wochen dauern kann. Dafür kennt man am Ende den genauen Erreger und kann auch Aussagen über die Wirksamkeit der verwendeten antimykotischen Medikamente treffen, was vor allem bei Therapieversagen interessant werden kann.

Ebenfalls wichtig ist der Pilznachweis im Bezug auf mögliche Differentialdiagnosen, welche ein ähnliches Erscheinungsbild wie die Bartflechte zeigen können und nicht immer auf den erste Blick zu unterscheiden sind: Schwere Akne, Furunkulose oder Karbunkel mit Bakterien gehören hier zu den möglichen Verdächtigen. Auch an Immunschwäche-Krankheiten wie AIDS sollte seitens des behandelnden Arztes gedacht werden, zumindest solange keine klaren Indizien und Erklärungen für eine einfache Bartflechte vorliegen.

Die antimykotische Therapie bei einer Bartflechte

Die Behandlung der Bartflechte erfolgt mit lokalen und systemischen Antimykotika. Dies sind Wirkstoffe, welche Pilze an der Vermehrung hindern und abtöten. Lokal aufgetragen, helfen sie bereits in wenigen Tagen bei vielen Hautpilzinfektionen, müssen aber dennoch über einen längeren Zeitraum (wenige Wochen) regelmäßig aufgetragen werden, um eine sichere Dauerwirkung zu erzielen und auch die letzten widerspenstigen Pilzsporen aus der Epidermis zu entfernen.

Da es sich bei der Bartflechte bereits per se um eine schwierigere und tiefere Pilzinfektion handelt, ist eine systemische Therapie oft nicht zu vermeiden. „Systemisch“ bedeutet, dass das Medikament in diesem Fall oral (also als Tablette) eingenommen wird und seine Wirkung dann im gesamten „System“ des Körpers entfalten kann. Neben einer besseren Anreicherung im Bartgebiet bedeutet dies leider auch, dass der Wirkstoff in anderen Ecken des Körpers unerfreuliche Nebenwirkungen haben kann.

Dies fängt nach der Aufnahme mit Magenbeschwerden an und betrifft dann nach der Resorption und Verbreitung im Körper vor allem die Leber, welche von den meisten Antimykotika angegriffen wird. Eine ordentliche Leberfunktion und eventuell auch eine Blutentnahme zur Überwachung der Leberwerte sind somit Voraussetzungen der antimykotischen Therapie bei einer Bartflechte – darüber hinaus ist sie für die meisten Menschen eigentlich sicher und gut verträglich. Mögliche Wirkstoffe sind Azol-Antimykotika oder Terbinafin. Die gründliche, hygienische und komplette Rasur ist zu empfehlen.

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