Mundsoor

Was ist Mundsoor?

ORL - ExamenAls Mundsoor (orale Kandidose, Candidamycosis, Mundpilz) bezeichnet man eine Infektion des Mund-Rachenraumes, die durch Candidapilze hervorgerufen wird und durch gelb-weißliche Flecken in der Mundhöhle gekennzeichnet ist. Darüber hinaus können auch andere Organe wie der Magen-Darm-Trakt, der Genitalbereich oder die Speiseröhre vom Soor betroffen sein.

Bei Säuglingen kommt es neben dem Mundsoor außerdem sehr oft zu einer weiteren Pilzinfektion im Windelbereich, die unter dem Begriff „Windelsoor“ bekannt ist. Vor allem bei Babys tritt ein Mundsoor sehr häufig auf, da ihre Haut noch nicht besonders gut ausgebildet ist.

Besonders gefährdet, an Kandidose zu erkranken sind außerdem alte Menschen und Personen, die unter einer Immunschwäche-Erkrankung wie zum Beispiel AIDS leiden. Bei gesunden Menschen tritt ein Mundsoor häufig nach einer Kortison- oder Antibiotika-Behandlung auf, da diese Medikamente auch gesunde Bakterien abtöten und die Mundflora durcheinanderbringen.

Häufigkeit von Mundsoor

Untersuchungen haben ergeben, dass Candida-Infektionen in den letzten zehn bis zwanzig Jahren zugenommen haben, wobei der Übergang von einer noch harmlosen bis hin zu einer symptomatischen Infektion sehr häufig fließend ist. Bei Babys wurden in den ersten zwei Monaten Candidapilze bei etwa 22 bis 24 Prozent aller Untersuchten nachgewiesen, wobei 95 Prozent der Säuglinge Symptome eines Mundsoors aufwiesen (Blaschke-Hellmessen 1998). Ein sehr gehäuftes Vorkommen von Mundsoor tritt auch bei Karies, bei Trägern von Zahnprothesen, aber auch bei unterschiedlichen Grunderkrankungen auf.

Ursachen von Mundsoor

Mundsoor wird hauptsächlich durch Candidapilze ausgelöst, die zu den so genannten opportunistischen Erregern zählen, das heißt, sie lösen nur dann eine Infektion aus, wenn die Lebensbedingungen sehr günstig sind. Viele gesunde Erwachsene weisen Candidapilze auf, ohne dass es jedoch zu Krankheitserscheinungen oder Symptomen kommt. Solange das Immunsystem intakt ist, kann es auch die Pilze in Schach halten.

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Immunabwehr jedoch noch nicht vollständig ausgebildet und daher sind die Bedingungen für Candidapilze sehr günstig. Häufig kommen Neugeborene bereits während der Geburt mit Pilzen in Berührung, da bei vielen Schwangeren Hefepilze im Geburtskanal zu finden sind. Pilze können aber auch über die Hände des Krankenhauspersonals, die Brust der Mutter bzw. aus Mundhöhlen übertragen werden. Die aufgenommenen Candidapilze siedeln sich immer zuerst in der Mundschleimhaut an.

Robuste Neugeborene scheiden die Hefepilze wieder aus, ohne an Mundsoor zu erkranken. Ausgehend von der Mundhöhle gelangen die Pilze dann in den Rachen, die Speiseröhre sowie den Magen-Darm-Trakt und können sich dort ausbreiten. Darüber hinaus gibt es auch noch zahlreiche systemische und lokale Faktoren, die zu einem Mundsoor führen können. Dazu zählen unter anderem:

  • ältere Menschen
  • Menschen, die unter einem geschwächten Immunsystem oder anderen Grunderkrankungen wie Tumoren, HIV-Infektionen, Diabetes mellitus, Hormonveränderungen, Leukämie bzw. Mängelzuständen leiden.
  • Zahnprothesen
  • verschiedene Medikamente wie Zytostakika, Antibiotika, inhalative Glucocorticoide (Cortisonsprays gegen Bronchitis und Asthma), Immunsuppressiva
  • Mundtrockenheit, die zum Beispiel durch das Einnehmen von Antidepressiva ausgelöst wird.
  • Virulenz des Erregers
  • kohlenhydratreiche Ernährung

Symptome von Mundsoor

Ein akuter Mundsoor beginnt im Normalfall mit einer Schleimhautrötung, die im Laufe der Zeit ein trockenes, glänzendes und glattes Aussehen annimmt. Oft verschwinden bei einem Mundsoor auch die Zungenpapillen. Nach etwa drei bis vier Tagen entstehen dann stecknadelgroße, unregelmäßige, weißliche Stippchen, die einem Grießkorn ähneln und cremeartig aussehen. Darüber hinaus bildet sich eine gelbliche Schicht und die weißen Beläge sind verschiebbar.

 

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Da die Pilze sehr aktiv sind, kann bei Mundsoor auch Mundgeruch auftreten und der Körper beginnt, die Erreger zu bekämpfen. Aus diesem Grund schwellen auch die Lymphknoten an, was darauf hinweist, dass das Immunsystem verstärkt aktiv ist. Die geschädigte Mundschleimhaut verursacht Schmerzen, was vor allem bei Säuglingen, die unter Mundsoor leiden, problematisch sein kann, da sie naturgemäß sensibler reagieren und oftmals auch das Trinken verweigern.

Wird der Mundsoor im Frühstadium nicht behandelt, so können sich die Erreger ausbreiten. Mögliche Folgebeschwerden sind dann Erbrechen sowie Sodbrennen, die zu den typischen Symptomen noch hinzutreten können.

Diagnose von Mundsoor

Um einen Mundsoor zu diagnostizieren, entnimmt der Arzt einen Abstrich, da sich bei einer Infektion entsprechende Antigene im Blut befinden. Dabei erfolgt die Materialentnahme bei einem Mundsoor dort, wo die Erregerwahrscheinlichkeit am höchsten ist, also zum Beispiel aus den weißen Belägen oder unter der Zahnprothese. Anschließend wird das Material unter Zusatz einer Kochsalzlösung mikroskopiert. Darüber hinaus kann bei einem Mundsoor auf einem geeigneten Nährboden auch eine Pilzkultur angezüchtet werden, um die Art des Erregers festzustellen.

Ein Antikörpernachweis bei Mundsoor ist allerdings bei immunsuprimierten Patienten oftmals relativ unzuverlässig. Im Rahmen einer Diagnostik von Mundsoor sollte daher auch immer das Risiko für invasive Formen sowie eine chronische Candidasis bewertet werden. Dazu zählt die Suche nach bestimmten Risikofaktoren für Mundsoor wie zum Beispiel:

  • Tumore
  • hämatoonkologische Grunderkrankungen wie Lymphome oder Leukämie
  • Diabetes mellitus
  • Zustand nach Organ- oder Knochenmarkstransplantationen
  • HIV-Infektion
  • Immundefekte
  • langfristige Behandlung mit Antibiotika
  • langfristige Behandlung mit Glukokortikoiden
  • Zytostatikatherapien

Außerdem ist auch die Abklärung möglicher Eintrittspforten für die Erreger von Mundsoor sinnvoll. Dazu gehören:

  • Zahnprothesen, die schlecht sitzen
  • erosive Erkrankungen der Schleimhäute
  • kontaminierter ZVK (zentraler Venenkatheter)

Behandlung von Mundsoor

Da ein Mundsoor zumeist recht hartnäckig ist, erfolgt im Normalfall eine medikamentöse Behandlung mit Anti-Pilzmitteln (Antimykotika). Diese sind in Form von Suspensionen oder Salben erhältlich, die auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Wenn auch andere Organe oder der Darm von Soor betroffen sind, so sollte ein stärkeres Antipilzmittel eingenommen werden, das im ganzen Körper wirkt. Sehr wichtig ist auch eine ausreichende Behandlungsdauer. Außerdem sollte bei  jede Art der Medikation so lange wie möglich im Mund verbleiben. Üblicherweise werden bei Mundsoor Nystatin, Miconazol oder Amphotericin B in Form von Lutschtabletten oder Suspensionen verwendet.

Sofern der Mundsoor mit einer topischen Behandlung nicht beherrschbar ist, kann auch eine systemische Therapie mit Azolen indiziert werden. Ein wirksames Medikament ist Fluconazol, das als Trockensaft, Saft oder in Kapselform erhältlich ist.

Bei immunkompetenten Säuglingen eignen sich zur Behandlung von Mundsoor die Polygene Amphotericin B bzw. Nystatin sehr gut.

Zur unterstützenden Behandlung von Mundsoor können die Betroffenen auch regelmäßig Mundspülungen mit Myrrhe durchführen, da Myrrhetinkturen ebenfalls antimykotisch wirken. Bei dieser Form der Therapie sollte aber zumindest eine Stunde Abstand zum Antipilz-Mittel eingehalten werden, da man sonst Irritationen provozieren könnte. Einen vergleichbaren Effekt zur Therapie von Mundsoor haben auch Spülungen mit Salbei oder Arnika, die darüber hinaus auch über eine antiseptische Wirkung verfügen.

Da sich Pilze von Zucker ernähren, sollte man auch auf zucker- und hefehaltige Nahrungsmittel verzichten. Fruchtsäfte und saure Lebensmittel verursachen bei Mundsoor außerdem Schmerzen in der Mundhöhle. Des Weiteren sollten auch keine Milchprodukte aufgenommen werden, da diese eine verschleimende Wirkung haben.

Candidapilze nutzen auch von Karies befallene Zähne als Reservoir, daher ist während einer antimykotischen Therapie auch auf sorgfältige Zahnhygiene zu achten, wobei auch die Zahnbürste regelmäßig ausgewechselt werden sollte. Auch Zahnprothesen sollten mit geeigneten antimyzitisch wirkenden Substanzen gereinigt werden. Bei Säuglingen empfiehlt es sich, Schnuller und Sauger zu desinfizieren und auszukochen.

Vorbeugung gegen Mundsoor

Um einem Mundpilz vorzubeugen, sollte generell auf eine gründliche Mundhygiene geachtet werden, um so eine Vermehrung des Candidapilzes zu verhindern. Für stillende Mütter empfiehlt sich eine gründliche Hygiene bzw. Pflege der Brustwarzen, um dem Neugeborenen eine Erkrankung mit Mundsoor zu ersparen. Stellen Mütter bei sich selbst einen Pilzbefall bzw. Mundsoor fest, so sollte der Kontakt mit der Mundschleimhaut der Säuglinge vermieden und Sauger und Schnuller öfter desinfiziert werden.

Grundsätzlich wird angeraten, bei einem Verdacht auf Mundsoor sofort nach dem Erkennen einen Arzt zu konsultieren, sodass eine Verbreitung des Pilzes in Rachen oder Speiseröhre verhindert werden kann. Nicht verschreibungspflichtige Medikamente sollten bei einem Mundsoor nur nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Vor allem bei älteren Menschen und Säuglingen gilt dasselbe auch für die Selbstbehandlung von Mundsoor mit Hausmitteln.

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