Oberflächliche Mykosen

Ethic young woman back with itchy skinOberflächliche Mykosen

Ein Pilzbefall von Haut und Schleimhäuten ist keine seltene Sache: Praktisch immer, wenn es irgendwo juckt oder brennt, wenn die Haut gerötet oder schuppig verändert ist, kann eine oberflächliche Mykose dahinter stecken. Pilze leben nämlich überall in Umwelt und zivilisierter Gesellschaft, können von Mensch zu Mensch oder über unbelebte Gegenstände weitergereicht werden.

Glücklicherweise sind die meisten oberflächlichen Mykosen sehr leicht zu behandeln, das Auftragen von mit Wirkstoffen versetzten Cremes oder Lösungen über wenige Tage reicht in den meisten Fällen zur Abtötung des Erregers. Bei hartnäckigerem Befall, wie zum Beispiel dem Nagelpilz, kann die Therapie aber auch leicht mal ein halbes Jahr dauern – Wirksamkeitsgarantie exklusive.

Oberflächliche Mykosen sind also sehr unterschiedlich, was den Schweregrad sowohl der Beschwerden als auch der ärztlichen Therapie angeht. Im Folgenden erhalten Sie einen kleinen Überblick über die verschiedenen Abstufungen von oberflächlichen Mykosen.

Was sind Mykosen? Und was sind überhaupt Pilze?

Mykosen nennt der Mediziner grundsätzliche jede Art von Pilzinfektion. Pilze sind in der Natur häufig: Rund ein Viertel der gesamten Biomasse der Erde besteht aus Pilzen! Dazu zählen die schmackhaften Champignons genauso wie die Baumpilze, die in Symbiose mit den Wurzeln von Bäumen leben – ohne Pilze gäbe es kein Pflanzenwachstum! Nur wenige Pilzarten sind für die Humanmedizin interessant, nämlich immer dann, wenn sie entweder Allergien auslösen (vor allem Schimmelpilze), Vergiftungen verursachen (z.B. der Knollenblätterpilz), oder eben dann, wenn sie den menschlichen Körper befallen können (Mykosen).

Eine der häufigsten Pilzarten, Candida albicans, lebt ganz selbstverständlich auf den Häuten und Schleimhäuten des Menschen, ohne ihn krank zu machen. Lediglich bei schlechter Abwehrlage der Körperoberflächen nutzt er seine Chance, vermehrt sich ungehemmt und übersiedelt die Körperregion – es kommt zur oberflächlichen Mykose. Andere Pilze wie z.B. die Schimmelpilzart Aspergillus fumigatus können bei immungeschwächten Menschen schwere Lungenentzündungen hervorrufen – davon soll hier jedoch nicht die Rede sein.

Und dann gibt es noch die verschiedenen Arten von Dermatophyten, also Hautpilzarten, welche den typischen Fußpilz, den hartnäckigen Nagelpilz und die Hautpilzerkrankungen bei kleinen Kindern verursachen. Zur besseren Übersicht finden Sie im Folgenden eine kurze Inspektion der verschiedenen Körperregionen, die von einer oberflächlichen Mykose betroffen sein können.

Mykosen der Haut- und Anhangsgebilde: Hautpilz, Fußpilz, Nagelpilz

Von ihnen sind etwa 10 Millionen Bundesbürger betroffen – das ist eine ganze Menge. Die Hautpilzarten sind Fadenpilze, welche ubiquitär in der Umwelt leben und in ihrer Sporenform sehr resistent gegen Umwelteinflüsse sind, also lange überleben können.

Übertragungswege sind neben dem direkten Kontakt von Mensch zu Mensch oder von Tier zu Mensch vor allem Sportmatten, Fitnessgeräte, Schimmbadkacheln, öffentliche Duschen oder Saunen. Überall dort, wo es warm, feucht und dunkel ist, gedeihen sie gut – das setzt sich nach der Übertragung dann meist im Schuh des betroffenen Menschen fort, wo die Pilze vor allem in den Zehenzwischenräumen wieder ihr bevorzugtes Milieu vorfinden. Abwehrschwäche durch Diabetes oder Durchblutungsstörungen fördern zudem die Infektion. So entsteht Fußpilz. Wer einen heroischeren Begriff bevorzugt, kann auch vom Athletenfuß sprechen – es sind vor allem Sportler, die viel Zeit in ihren Laufschuhen verbringen, welche von Fuß- und Nagelpilz betroffen sind.

Ein Fußpilz juckt oft phasenweise und ist dann wieder über lange Zeit kaum zu bemerken, wird daher oft verkannt und oft solange zerkratzt, bis sich schmerzhafte Rhagaden, also tiefe Einrisse der Haut, bilden und die gesamte betroffene Hautregion gerötet ist. An dieser Stelle wird es dann gefährlich, da solche oberflächlichen Mykosen auch Eintrittspforte für bakterielle Erreger sein können, welche die schmerzhafte Inflammation des gesamten Beines (Erysipel) verursachen können.

Ein Nagelpilz entsteht meist sekundär auf dem Boden eines Hautpilzbefalls, tut meist nicht weh, ist dafür aber um einiges hartnäckiger: Die oberflächliche Mykose sitzt in diesem Fall in der Tiefe unter der Nagelplatte und ist dort kaum mehr angreifbar. Langsam wird der gesamte Nagel überwuchert, es kommt zur Verhornungsstörung, der Nagel verfärbt sich (gelblich oder weißlich), verformt sich unter Umständen, wird derb und brüchig. Auf Dauer kann es so tatsächlich zur Zerstörung des gesamten Nagels kommen.

Je früher man bei Nagelpilz eine Therapie beginnt, desto besser sind die Heilungschancen auf Anhieb: Der erste Therapieversuch ist immer die Anwendung eines speziellen Nagellackes (z.B. Ciclopirox), welcher pilztötenden Wirkstoff enthält und über ein halbes Jahr lang regelmäßig auf den Nagel aufgetragen werden muss. Der lange Zeitraum kommt dadurch zustande, dass der Wirkstoff zwar das Wachstum des Pilzes hemmt, jedoch nicht sicher auch die letzte Pilzzelle in der Tiefe abtöten kann – man muss also unter ständiger Wirkstoffzufuhr abwarten, bis der Nagel selbst einmal herauswächst, und das dauert beim Zehennagel etwa sechs Monate. Reicht dies nicht, so erfolgt eine systemische Therapie, z.B. mit Terbinafin-Tabletten. Hierunter müssen die Leberwerte kontrolliert werden.

Durch die Weiterverbreitung eines Fußpilzes kann es zu Infektionen anderer Hautregionen kommen. Beim oberflächlichen Mykosen durch Dermatophyten spricht man stets von „Tinea“: Es gibt die Tinea capitis (den Pilzbefall der behaarten Kopfhaut, vor allem bei Kleinkindern), die Tinea barbae (die Mykose des Barthaares), die Tinea manus (Mykose der Hand) und die Tinea corporis (wenn der restliche Körper befallen ist). Von Tinea inguinalis spricht man zum Beispiel bei einem Befall der Leistenregion – auch hier fühlt sich der Pilz wieder aufgrund des feuchten, warmen Milieus in der Hautfalte besonders wohl. In der Achselhöhle, unter der weiblichen Brust oder in Bauchfalten gilt dasselbe Prinzip.

Die oberflächlichen Mykosen der Haut sind meist runde, randbetonte Herde rötlicher, nässender oder schuppender Haut. Die Randbetonung kommt dadurch zustande, dass der Pilz oft von der Mitte her nach außen zentrifugal wächst und die Mitte des Herdes am Ende oft infektionsfrei ist, während sich der Hauptteil der Entzündungsreaktion der Haut in der Wachstumsregion am Rande abspielt.

Die Entnahme von Probenmaterial, also ein Abstrich von Hautschuppen, kann hier mikroskopische Klärung bringen. Danach wird der Hautpilz mit antimykotischer Salbe behandelt. Unter Umständen muss auch hier die Auftragung über drei bis vier Wochen regelmäßig stattfinden: Die Hautreaktion verschwindet zwar schon in den ersten Tagen, bis jedoch auch die letzte Pilzspore in der Tiefe der Epidermis verschwunden ist, muss sich die Haut einmal komplett erneuert haben.

Um das Ganze von vornherein zu verhindern, sollte auf gründliche Hygiene geachtet werden. Die meisten Dermatophyten lassen sich hervorragend mit Desinfektionsmitteln abtöten.

Mykosen der Schleimhäute – Windeldermatitis, Scheidenpilz und Co.

Feucht, warm und dunkel – das trifft natürlich noch eher auf die Schleimhäute des menschlichen Körpers zu. Schleimhäute haben wir in der Nasenhöhle, im Mund- und Rachenraum, im gesamten Magen-Darm-Trakt inklusive Anus, den Atemwegen und in der weiblichen Scheide. Die üblichen Verdächtigen der Hautmykosen spielen hier jedoch medizinisch keine Rolle, Dermatophyten wachsen hier normalerweise nicht. Vielmehr ist es ein anderer Kommensale, der manchmal die Gunst der Stunde nutzt und uns die gute Zusammenarbeit aufkündigt: Candida albicans.

Candida ist ein Sprosspilz, und als eine von 200 Unterarten ist Candida albicans der häufigste Erreger opportunistischer Infektionen beim Menschen. Beim gesunden Menschen findet sich Candida albicans manchmal in der oralen, gastrointestinalen oder vaginalen Flora in geringer Anzahl und hat dort überhaupt keine krankmachende Wirkung. Erst wenn beim Wirt gewisse Milieubedingungen erfüllt sind, können sich diese Opportunisten oberflächlich ausbreiten, manchmal sogar in die Tiefe vordringen und dann richtig schwere Infektionen von Organen verursachen.

Faktoren, welche die Infektion derart begünstigen, sind zum Beispiel die Verminderung der Bakterienflora auf Schleimhäuten durch Antibiotika (wo Bakterien weichen, kann der Sprosspilz sich ausbreiten), die Erhöhung des pH-Wertes der Vagina oder ein Östrogenüberschuss durch die Einnahme der Pille, Barriereschäden der Haut (z.B. nach Verbrennungen), anhaltende Feuchtigkeit und Reiben auf der Haut von Säuglingen im Bereich der Windeln (Windeldermatitis) oder die Immunsuppression durch krankhafte Prozesse (AIDS, Leukämie) oder ärztliche Maßnahmen (Therapie von Autoimmunerkrankungen, Organtransplantationen, Bestrahlung, Chemotherapie). Auch eine Stoffwechselentgleisung wie der Diabetes mellitus (die berühmte Zuckerkrankheit) oder Minderdurchblutungen können das Auftreten von Schleimhautmykosen begünstigen.

Candidosen der Haut oder der Mundschleimhaut treten vor allem bei schlechter Abwehrlage auf: An der Haut bilden sich entzündliche, gerötete Läsionen, die mazerieren und einreißen können; auf der Schleimhaut bildet sich ein weißlicher, flockiger oder bröckelnder Belag. Tritt so etwas auf, sollte unbedingt nach den oben aufgezählten prädisponierenden Faktoren gesucht werden, um eine Immunschwäche auszuschließen oder Gründe dafür zu finden und zu behandeln.

Bei Säuglingen, nach Antibiotikatherapie oder bei schwerer Immunschwäche kommt es zu einem solchen „Mundsoor„, welches auch eines der wichtigsten Kriterien für die Diagnose des Vollbildes AIDS darstellt. Auch in der Speiseröhre ist dies dann ein typischer Befall, der Mediziner nennt dies eine „Soorösophagitis“. Die Therapie kann in der Regel mit lokalen Antimykotika, z.B. Azolpräparaten, erfolgen. Eine eventuelle Grunderkrankung muss aber natürlich gesondert behandelt werden.

Bei Frauen, insbesondere unter hormoneller Kontrazeption („Pille“) oder in der Schwangerschaft, können Sprosspilze auch eine vaginale Candidose auslösen. Typische Symptome sind Juckreiz und Brennen im Bereich der Vulva und Vagina, oft auch nach dem Geschlechtsverkehr. Der Sexualpartner kann oftmals eine Balanitis, also eine Entzündung von Eichel und Vorhaut mit denselben Pilzerregern haben, die Ansteckung erfolgt hier gegenseitig. Beim Mann sieht man oft nur eine Rötung oder gar nichts, bei der Frau kann der Gynäkologe in der vaginalen Untersuchung eventuell wieder die weißlich-bröckeligen Candida-Beläge feststellen.

Die Therapie ist sinnvoll, um die Beschwerden zu mindern und die Infektion eines eventuellen Neugeborenen zu verhindern, gelingt jedoch nur, wenn der Mann zeitgleich mitbehandelt wird! Das dreitägige Aufbringen einer speziellen vaginalen Salbe, zum Beispiel Clotrimazol, ist in den allermeisten Fällen völlig ausreichend. Candida lässt sich allgemein besser erreichen als Hautpilze, da die Mykose hier sehr oberflächlich sitzt und nicht in einer Hautschicht.

Dies sind die wichtigsten und häufigsten oberflächlichen Mykosen, die den menschlichen Körper befallen können. Wichtig ist in jedem Fall, an eine oberflächliche Mykose zu denken, wenn Haut- oder Schleimhautveränderungen da sind. Und dann lohnt es sich eigentlich immer, den Weg zum Hausarzt oder Hautarzt zu machen und sich ein Präparat verschreiben zu lassen, um das Fortschreiten und Ausbreiten der Infektion zu verhindern. Die meisten oberflächlichen Mykosen der Haut lassen sich nämlich ganz hervorragend heilen und sind die Mühe daher allemal wert.

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