Bestimmung eines Pilzerregers

NährbodenBestimmung eines Pilzerregers

Wenn die entsprechenden Symptome einer Pilzerkrankung auftreten, ist meist Eile geboten. Denn nicht selten kann eine solche Erkrankung schwerwiegende Folgen bis hin zum Tod haben. Vor allem bei immungeschwächten Personen ist ein erhöhtes Risiko eines tödlichen Verlaufs gegeben. Eine oberflächliche Pilzerkrankung, die meist die Haut und die Schleimhäute befällt, ist zwar in den meisten Fällen harmlos. Dennoch kann auch eine solche Erkrankung schnell, wenn man nicht Acht gibt und diese unterschätzt, zu einer systemischen Erkrankung führen. Hier werden die inneren Organe befallen, was die Erkrankung sehr riskant macht. Umso wichtiger ist eine schnelle und genaue Erregerbestimmung. Denn nur so kann dem Verlauf der Erkrankung effizient entgegengewirkt werden und einen tödliches Ergebnis verhindert werden.

Mikroskopische Untersuchung zur Bestimmung von Pilzerregern

Eine einfache und in der Praxis häufig angewendete Methode zur Bestimmung eines Pilzerregers ist eine mikroskopische Untersuchung. Die meisten Pilze sind nämlich so groß, dass man diese ohne große Probleme unter einem Mikroskop erkennen kann. So kann schnell festgestellt werden, ob sich der Anfangsverdacht an einer Mykose erkrankt zu sein, bestätigt.

Blut- oder Urinuntersuchung der betroffenen Person bringen in den seltensten Fällen Aufschluss über das Vorhandensein von Pilzen. Eine solche Erregerbestimmung ist für die Bestimmung von Pilzen nicht geeignet. Denn selbst wenn eine schwere Infektion mit dem Pilzerreger vorliegt, ist dieser nur in einer sehr kleinen Zahl im Blut oder im Urin vorhanden. Ein Versuch der Erregerbestimmung über einen einzigen Blut- oder Urintropfen ist daher kaum möglich. Daher hat sich die mikroskopische Untersuchung von Hautschuppen der betroffenen Körperregion als gängige erste Bestimmung von Pilzerregern durchgesetzt.

Wie läuft eine mikroskopische Bestimmung von Pilzerregern ab?

Bei einer mikroskopischen Bestimmung von Pilzerregern wird meist eine Hautschuppe der betroffenen Körperregion auf einem sogenannten Nativpräparat gelegt. Diese wird im Anschluss mit einer 10- bis 30-prozentigen Kalilauge benetzt und mit einem Deckglas abgedeckt.

Besonders wichtig bei dieser Vorgehensweise der Pilzerregerbestimmung ist, dass das hergestellte Präparat mindestens Raumtemperatur hat. Hierzu wird es entweder kurz über einer Flamme erwärmt oder einige Stunden stehen gelassen, bevor das Präparat unter dem Mikroskop untersucht wird und somit eine Erregerbestimmung stattfindet. Das Hinzufügen der Kalilauge dient dabei der Zersetzung der Schuppenschicht, sodass eine Freisetzung der womöglich vorhandenen Pilzerreger geschieht. Nur so kann eine Erregerbestimmung zum Erfolg führen.

Bei der Erregerbestimmung wird zunächst mit einer 100-fachen Vergrößerung gearbeitet. Hierbei wird das Präparat beim ersten Schritt der Erregerbestimmung durchmustert. Erst nach gründlicher Durchmusterung wird eine 400-fache Vergrößerung angewendet. Erst bei einer solch großen Vergrößerung kann der Fachmann sicher erkennen, ob sich ein Pilzerreger in der womöglich betroffenen Hautzelle befindet.

Erkennt der Fachmann bei diesem ersten Schritt der Erregerbestimmung Hyphen, ist eine Diagnose einer Mykose sicher. Doch kann diese Erregerbestimmung nur dazu dienen, dass man feststellt, dass ein solcher Erreger vorhanden ist. Eine Artenbestimmung oder Gattenbestimmung ist hier im ersten Schritt der Erregerbestimmung ausgeschlossen. Ein weiterer Schritt der Erregerbestimmung ist daher unerlässlich, um eine schelle und wirkungsvolle Behandlungsmethode finden.

Wie werden Hyphen unter dem Mikroskop sichtbar gemacht?

Damit der Fachmann die Hyphen des Erregers besser bei der mikroskopischen Erregerbestimmung erkennt, bedient er sich sogenannter Färbetechniken. Häufig wird dabei eine Methylenblaufärbung auf das entsprechende Präparat gegeben. Auch Parker-Tinte wird bei der Erregerbestimmung immer beliebter. So kann dem Fachmann kein Anzeichen bei der Erregerbestimmung für die Erkrankung an einer Mykose entgehen und ein weiteres unerlässliches Verfahren der Erregerbestimmung einleiten.

Kultivierung als unerlässliche Erregerbestimmung

Meistens wird neben der durchgeführten Erregerbestimmung mit Hilfe einer mikroskopischen Untersuchung gleichzeitig mit der Kultivierung des Erregers begonnen. Hierunter wird das Anzüchten des Erregers verstanden. Dies geschieht auf sogenannten Kulturmedien. Eine Gattung dieser Kulturmedien sind die sogenannten ?Nährböden?, die bestimmt jedem schon einmal begegnet sind. Die Besonderheit der Kulturmedien ist, dass diese steril sind und bestimmte Umgebungsbedingungen für die Erregerbestimmung mit sich bringen.

Wieso ist eine sterile Arbeitsweise bei der Erregerbestimmung so wichtig?

Eine sterile Arbeitsweise ist bei der Erregerbestimmung besonders wichtig, da nur so verhindert werden kann, dass sich anderen Keime in dem Substrat bilden und vermehren. Denn so kann eine Vermehrung der gewünschten Pilzerreger behindert oder im schlimmsten Fall auch verhindert werden. Eine Erregerbestimmung ist dann kaum noch möglich. Vor allem, da die richtige Diagnose lebensentscheidend für den betroffenen Patienten sein kann, könnte ein solcher Zwischenfall den sicheren Tod bedeuten. Daher ist eine sterile Arbeitsweise bei der Erregerbestimmung unerlässlich.

Aus diesem Grund gibt es bei der Erregerbestimmung durch eine Kultivierung verschiedene Sterilisationsverfahren. Wenn die Substrate hitzebeständig sind, werden diese meist bei 121 Grad regelrecht in einem Dampfdrucktopf gekocht. Sollte es sich allerdings bei dem Substrat um ein feuchtes handeln, wird es meist bei nur 160 Grad erhitzt. Dies geschieht für die Erregerbestimmung aber dann über mehrere Stunden. So ist eine Verweildauer von ganzen vier Stunden nicht unüblich.

Aber auch, wenn das Substrat nicht hitzebeständig ist, gibt es bei der Erregerbestimmung ein bestimmtes Sterilisationsverfahren. Hierbei kommen Sterilfilter zum Einsatz. Diese besitzen nur eine Porengröße von 0,2 µm Durchmesser. Bei Beachtung dieser Vorgehensweisen steht einer Erregerbestimmung durch Kultivierung grundsätzlich nichts mehr im Wege.

Welche Nährböden werden bei der Erregerbestimmung durch Kultivierung verwendet?

Für die Erregerbestimmung eines Pilzes gibt es verschiedene Nährböden, die in der Praxis verwendet werden. Am beliebtesten sind Agar Nährböden. Hier kommen unter anderem Kimming Agar, Sabouroud Glycose Agar, Sabouroud Maltose Agar, Kartoffel Dextrose Agar, Chromagar, Reisagar, Maismehlagar und Nickerson Agar zum Einsatz.

Welches dieser Nährmedien bei der Erregerbestimmung verwendet wird, liegt vor allem an dem Zweck, der mit der Kultivierung verfolgt wird. Aber auch die eventuelle Art oder Gattung des Erregers spielen hier eine große Rolle. So wird der Erreger häufig auf mehren Nährböden kultiviert, um eine effiziente Erregerbestimmung sicher zustellen.

Erregerbstimmung mit Agar

Agar ist ein Polysaccharid. Dieses kommt in den Zellwänden von vielen roten Algen vor. Das Gewinnen von Agar geschieht vor allem durch Kochen dieser Algen und wird im Nachhinein gründlich gereinigt, bevor es zur Erregerbestimmung eingesetzt wird. Hierbei verwandelt sich das Agar in eine Art Gel, das sich ideal als Nährboden bei einer Erregerbestimmung durch eine Kultivierung eignet. Zudem beinhaltet Agar selber keine verwertbaren Nährstoffe, sodass es fast als neutrales Nährmedium Anwendung bei der Erregerbestimmung findet.

Wie erfolgt eine Kultivierung mit Agar?

Der Agarnährboden kann entweder vor oder nach der Dampfsterilisation in die Petrischale gegeben werden. Zur Sicherheit wird dies in den meisten Fällen vorher gemacht, denn nur, wenn bestimmte Vorkehrungen nach der Sterilisation unternommen werden, kann eine Erregerbestimmung ohne Probleme durchgeführt werden. In den Petrischalen wird bei der Erregerbestimmung durch Kultivierung circa 2 bis 6 ml des Agar gegeben. Hierbei ist besonders darauf zu achten, dass das Agar nur direkt in die Petrischale kommt. Denn ansonsten können andere Erreger in die zu kultivierende Probe gelangen.

Sollte der Nährboden bereits vor der Sterilisation in die Petrischale gegeben worden sein, ist bei der Sterilisation darauf zu achten, dass sich Kondenswasser bilden kann. Dieses kann die Kultivierung des Erregers auf dem Nährboden beeinträchtigen und bei größeren Mengen sogar ganz verhindern. Eine Erregerbestimmung ist dann nicht mehr möglich. Daher sollte darauf geachtet werden, dass die Petrischale auf dem Kopf gehalten wird, damit das Kondenswasser nicht direkt mit dem getrockneten Nährboden in Berührung kommt.

Im nächsten Schritt muss der Erreger nun auf den Nährboden aufgetragen werden. Hierzu bedient man sich einer sogenannten Präpariernadel. Da auch hier eine sterile Arbeitsweise für die im Anschluss stattfindende Erregerbestimmung notwendig ist, muss diese Präpariernadel zuvor kurz über eine Flamme gehalten werden. Nach der Erhitzung der Nadel wird diese in dem Nährboden abgekühlt. Dabei wird diese einfach in diesen hineingelegt. Dies dient dazu, dass der Erreger nicht schon mit der Berührung der heißen Nadel zerstört wird. Ein anderer Vorteil besteht darin, dass der Erreger sehr gut an dem feuchten Agar und somit an der Nadel haftet.

Nachdem die Sporen des Pilzerregers an der Nadel haften, wird dieser an dem noch in der Petrischale befindlichen Agar abgestreift. Dieser Schritt sollte relativ schnell erfolgen, damit der Erreger und das Nährmedium nicht zu viel Kontakt mit womöglich verunreinigter Umgebungsluft haben.

Selbstverständlich sollte der Arbeitsplatz gründlich gereinigt werden, bevor man mit einer Erregerbestimmung durch Kultivierung startet. Des Weiteren sollte auf das Sprechen währende der Erregerbestimmung verzichtet werden und wenn möglich ein Mundschutz getragen werden. Denn auch beim Sprechen können Keime aus der Mundhöhle entweichen und eine spätere Erregerbestimmung unmöglich machen.

Nach dem Präparieren des Erregers auf dem Nährboden, muss die Petrischale noch versiegelt werden. Nur so ist das Präparat vor der womöglich verunreinigten Umgebungsluft geschützt und kann einer genauen Erregerbestimmung dienen.

Wie lange dauert eine Erregerbestimmung durch Kultivierung?

Bei Raumtemperatur kann eine Erregerbestimmung durch Kultivierung, je nachdem welcher Erreger kultiviert wird, zwischen zwei und vier Wochen dauern. Nur bei sogenannten Flüssigkulturen reichen meist circa drei Tage bei 37 Grad für die Erregerbestimmung aus. Doch dies ist meist eine Seltenheit. Daher kann zwischen den ersten Symptomen einer Erkrankung bis zur endgültigen Erregerbestimmung viel Zeit vergehen. Doch das ist ein großes Problem. Denn bei einer systemischen Mykose hat man in den seltensten Fällen so viel Zeit. Meist muss sofort mit einer Behandlung begonnen werden, obwohl die Erregerbestimmung noch nicht abgeschlossen ist.

Aus diesem Grund werden heutzutage meist sogenannte Breitbandantimykotika verwendet. Diese zeigen auf viele Erreger eine Wirkung, doch leider nicht auf alle. So kann es schon einmal vorkommen, dass diese keine Wirkung zeigen und den Behandlungszeitpunkt hinauszögern. Dies kann im schlimmsten Fall tödlich verlaufen. Aber leider wird auf eine Erregerbestimmung durch eine Kultivierung auch aus Kostengründen immer wieder verzichtet. Und dabei hat eine Kultivierung nicht nur den Zweck der Erregerbestimmung. Es können durch das Kultivieren auch die Wirkung von Antimykotika getestet werden. Nur so ist eine gute und schnelle Behandlung des Patienten gewährleistet.

Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren
nothing